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Dezember in Thessaloniki

Wir sind jetzt 4 Monate in Griechenland und ich will Euch mal ein bisschen berichten, wie es uns hier so geht.

Für uns Deutsche das Wichtigste zuerst - das Wetter:

Bis letzte Woche habe ich noch die Balkontür weit auf gemacht, wenn ich am Computer im Arbeitszimmer gesessen habe. Es war kontinuierlich mindestens fünfzehn Grad und die Sonne hat mir den Rücken gewärmt - herrlich! In den letzten Wochen hatten wir tatsächlich auch einige Tage, die grau und regnerisch waren und dann wird es hier sehr ungemütlich, weil die Feuchtigkeit vom Meer auch bis hier hoch steigt (Im Moment ist die Luftfeuchtigkeit übrigens so hoch, dass von den Lebkuchen, die ich zur Deko und zum Essen an einer Schnur aufgehängt habe, jeden Morgen einige auf dem Boden liegen, weil sie so weich geworden sind, dass der Teig das Gewicht nicht mehr hält). Aber bisher konnte man immer sicher sein, dass nach ein paar Tagen die Sonne wieder jede Herbststimmung vertreibt.

 

Was ich übrigens sehr sehr spannend finde, ist das die Wassertemperatur immer noch bei 17-20 Grad liegt! Bei einem Spaziergang mit Lutz hüpften da doch tatsächlich so ein paar ältere Herrschafen im Meer herum (Außentemperatur 7 Grad! brrrr). Ich konnte es gar nicht glauben, aber die Wetter-app auf meinem handy bestätigte tatsächlich, dass das Wasser doppelt so warm ist wie die Luft.

Es ist also gar kein Problem, in Griechenland auch im Dezember noch schwimmen zu gehen und zu schwimmen und zu schwimmen und noch weiter zu schwimmen... Nur raus kommt man leider nicht mehr - da holt man sich den Tod!

Interessanterweise hatte ich gar nicht das Gefühl, was für ein Glück wir haben, im immerwährenden Spätsommer leben zu dürfen; es fühlte sich einfach nach September an und nicht nach November... Morgens und abends war meine Heizdecke im Einsatz und Mittags habe ich Fenster und Türen aufgerissen, um die Wärme reinzulassen. Bisher hatten wir erst einmal den Kamin den ganzen Tag an, nämlich als wir Stromausfall hatten und die Heizdecke nicht funktionierte (=> "Das Geisterhaus")...

 

Das hat sich vor einer Woche schlagartig geändert: Es ist Nikolausmorgen und 2 Grad! Plötzlich und ohne Vorwarnung sind die Temperaturen von angenehmen 15-20 Grad auf 10 Grad tagsüber und 2-4 Grad nachts gefallen. Es gab einen Mega Sturm und rums war es kalt. Ich habe festgestellt, dass man sich an jedes Wetter hier neu gewöhnen muss und auch seinen Alltag wieder neu darauf einstellen muss. Das ist irgendwie logisch, das tun wir in Deutschland auch, ist mir bisher aber noch nie so bewußt geworden wie hier. Es geht nicht darum, andere Klamotten anzuziehen, sondern tatsächlich darum, wo halte ich mich am besten auf bei extremer Hitze, Kälte, Regen...? (=> "Auf und zu und rauf und runter")

Es wird früher dunkel und kalt, dann gibt es wieder einen warmen Tag mit Sonne, an dem ich in eine Decke eingemummelt auf dem Balkon sitzen kann... die Terrasse ist zwar sonnig, der kalte Wind aber eisig und und und...

Daran merke ich immer wieder, dassman doch erst so richtig eingewöhnt ist, wenn man mal ein ganzes Jahr erlebt hat und meinen ganzjährigen Lieblingsplatz habe ich einfach noch nicht gefunden...

Im Moment verbringe ich den Vormittag im Arbeitszimmer (das liegt über dem Heizungskeller und ist immer schön warm), wusele dann im Haus rum und setze mich am frühen Abend mit der Heizdecke auf die Couch ins Wohnzimmer, wo ich am meisten Licht habe und den Sonnenuntergang hinter den Bergen des Olymp über dem Tal geniessen kann...

Meine ganzen Hobby-Sachen sind aber oben im Schlafzimmer, wo es allerdings im Moment zu kalt ist, um sich dort aufzuhalten...hhhmmm... vielleicht muss ich doch noch mal umräumen?! ...

Ich habe grade mal die Wetter-app studiert... morgen wird es wieder 15 Grad mit strahlend blauem Himmel, dann gibt es für ein paar Tage noch mal Regen und ab Mitte nächster Woche bekommen wir wieder das schöne Wetter, das wir schon seit Oktober haben: 15-17 Grad, überwiegend sonnig... Jippie! Das heißt dann wieder ab auf den Balkon! Und das Öl reicht dann wahrscheinlich auch aus.

Hart wird nur der Temperatursturz, der uns erwartet, wenn wir nach Deutschland kommen, aber grüne Weihnachten bei 20 Grad sind auch nicht wirklich schön!

Das haben wir mal in Mexico probiert und was das angeht freue ich mich auf die deutsche Kälte. Im Januar sind wir ja dann wieder in Griechenland...

 

Auch an anderen Ecken merke ich übrigens, wie viele eingefahrene Wege ich im Alltag so hatte, die ich hier erst neu erkunden muss: An den Tankstellen tankt man nicht selber, das erledigt ein Tankwart und bezahlt wird mal beim Tankwart und mal drinnen in Shop...

Bei Regen kann man nicht mehr jede Straße befahren, weil manche Straßen riiiesige Schlaglöcher haben und man den Pfützen leider nicht ansieht, wie tief sie wirklich sind...

Das Navi schickt einen gerne auf komische Wege, weil es zum Beispiel darauf besteht, dass über die riesige grüne Wiese vor der man gerade steht (und auf der sich eine Meute Straßenhunde tummelt) eine befestigte Straße führt (die vielleicht auch irgendwann mal da war)...

Beim Einkaufen an der Kasse wird man komische Sachen gefragt (die man sowieso nicht versteht), wie z.B., ob man privat oder gewerblich einkauft und ob man eine Rechnung braucht oder nicht und die Rettung bringt immer nur der Satz "Den milao ellinika" (Ich spreche kein Griechisch)...

Alle Weihnachtsgeschenke habe ich im Internet gekauft und nach Essen liefern lassen, weil ich einfach noch nicht weiß, wo ich die Sachen hier bekomme...

An den Ampelkreuzungen stehen Straßenverkäufer, bei denen man unsicher ist, ob man sie freundlich grüßen soll, weil sie dann vielleicht denken, dass man etwas kaufen will...

Für die Lieferung des Kaminholzes hat Lutz einfach einen Händler genommen, dessen Lager an der Straße ist und unser Freund Kostas hat ihn angerufen und mit ihm auf griechisch verhandelt. Er hat extra dazu gesagt, dass wir jetzt eine Tonne abnehmen und wenn es gutes Brennholz ist, gerne weiter bei ihm kaufen werden... Das hat leider keinen Effekt gehabt, denn das Holz ist so feucht, dass es erst mal ewig vor sich hin qualmt, bevor es so richtig schön brennt... Wir werden es also aufbrauchen und dann den nächsten Holzhändler ausprobieren.

Mit dem Heizöl hatten wir Glück: Ich hatte grade mit Lutz darüber gesprochen, dass wir jetzt bald mal Öl brauchen könnten... Solange die Sonne scheint, speichert eine kleine Solaranlage auf dem Dach die Energie und wir bekommen darüber warmes Wasser. Wenn aber die Sonne mal ein bis zwei Tage nicht scheint, müssen wir im Keller einen Hebel umstellen und dann läuft die Anlage über den Ölbrenner. Heizen können wir auch über den Kamin ohne das Öl anzuzapfen, Duschen aber nicht! Kaum hatte ich das ausgesprochen, kommt Lutz zwei Stunden später angerannt und ruft aufgeregt: Wir bekommen JETZT Öl!!!... Hui dachte ich mir, das hat er aber extrem flott geregelt! Was war passiert: Lutz hat mitgekriegt, dass beim Nachbarn ein Ölwagen vor der Tür stand, ist schnell raus gerannt und hat die netten Herren gefragt, ob sie für uns denn auch noch etwas Öl übrige haben - hatten sie: 500 Liter! Super! Damit ist das Duschen für das nächste halbe Jahr erst mal gesichert...

 

Inzwischen habe ich den Flur mit einem dicken Vorhang abgetrennt und das Treppenhaus, das zur Dachterasse führt ebenfalls. Das hat nämlich eine Marmortreppe, 6x4 Glasbausteine als Fenster und eine Alu-Türe nach draußen - also der perfekte Kühlschrank... Es ist so kalt, dass ich es inzwischen sogar als Vorratskammer für meine Backsachen nutze!

In Deutschland habe ich im Winter immer alles draußen auf der Terrasse gelagert, aber das brauche ich mich hier nicht, der Flur ist kalt genug und außerdem locke ich bloß die streunenden Tiere an, werde sie nicht mehr los und unser Nachbarhund kriegt einen Herzkasper vor lauter Bellen...

Als ich im Sommer abends mit meiner Schwägerin auf dem Balkon saß und Bruno sich mal wieder überhaupt nicht beruhigen wollte, huschte plötzlich eine Katze unter uns quer über die Wiese... gefolgt von zwei wirklich riesigen riesigen schwarzen Höllenhunden, die im Affenzahn hinter ihr her jagten... Da wir ja keinen eigenen Wachhund haben, ist unser Garten eben Niemansland oder besser gesagt Jederhundsland...

Und jetzt wo es deutlich kälter geworden ist, sieht man überall streunénde Hundemeuten und Katzenrudel (heißt das bei Katzen so?) herumlungern, die vermutlich im Sommer in der Wildnis leben und jetzt so langsam näher an die Menschen rücken. Interessanterweise sind die Streuner alle ziemlich groß, kräftig und ziemlich gut genähert und machen auch sonst einen gesunden Eindruck. Da es hier keine Müllabfuhr wie bei uns gibt, sondern jeder seinen Müll zu zentral an den Straßen aufgestellten Müllcontainern bringt, finden die Tiere hier jede Menge zu essen: Morgens springen übrigens die Hunde aus den Müllcontainern und abends die Katzen - interessante Aufgabenteilung...

 

Insgesamt läuft das Leben hier in sehr ruhigen Bahnen. Lutz arbeitet deutlich länger als in Deutschland, ich bin überwiegend zu Hause und am Wochenende treffen wir uns mit Kollegen oder unternehmen zu Zweit was Schönes. Was ich den ganzen Tag zu Hause mache? Neben dem Haushalt, der jetzt natürlich komplett meine Aufgabe ist, mache ich einen Crashkurs in Griechisch (indem ich jeden Tag 5 Stunden zu Hause büffele => "I-Dötzchen lässt grüßen"), schreibe meinen blog, ersetze jeden Handwerker, den man sich vorstellen kann! (Dazu an anderer Stelle noch mal ausführlicher...) und im Moment backe ich jeden Tag noch Weihnachtsplätzchen. Meine zahlreichen Hobbies habe ich jedenfalls noch gar nicht angetastet...

Zum ersten Mal arbeite ich ja nicht und es fühlt sich komisch an... Irgendwie lege ich jetzt alles was ich mache, auf die Goldwaage, versuche dem Tag etwas Sinnvolles abzuringen (wie z.B. Griechisch lernen), damit ich nicht nur in den Tag hinein lebe. Das ist zwar bescheuert, weil ich hier jetzt mal die Möglichkeit hätte, einfach nur Sachen zu machen, zu denen ich Lust habe... Malen, Nähen, Fotografieren und wenn ich will, noch nicht mal das... Aber irgendwie meldet sich da immer wieder meine gute deutsche Sozialisation - mir fehlen meine PFLICHTEN - denn wenn man was geleistet hat, darf man dann anschließend auch die Freizeit genießen... sehr sehr schräg!...

Mit Griechisch lernen, Haus reparieren und Plätzchen backen bin ich also grade ziemlich ausgelastet... Und danach habe ich mir ja dann noch genügend andere Dinge mit genommen, die ich wirklich wirklich gerne mache!... Wird schon!

Was mir hier übrigens total fehlt, ist das Fahrrad fahren! Bisher habe ich noch keine vernünftigen Wege gefunden, die ich gerne regelmäßig fahren würde. Das liegt zum einen daran, dass es hier entweder nur Hauptverkehrsstraßen gibt, auf denen die Griechen heizen wie die Sau (Sorry, aber so ist es!) oder kleine Stichstraßen, die nirgendwo hin führen. Zum anderen sind die einizgen Nebenstraßen, die ich vielleicht nehmen könnte, bessere Feldwege und von Hunden belagert, die vielleicht Tollwut haben und bei denen man nicht weiß, wie aggressiv sie auf einen Fahrradfahrer reagieren... Na ja, jetzt ist es sowieso kalt und ungemütlich, ich mache auf jeden Fall noch mal einen Anlauf im Frühling...

 

Da Weihnachten naht, backe ich momentan wie ein Weltmeister und vor ein paar Tagen war ich zum Plätzchen backen bei zwei sehr netten Mädels, Sabine und Susanne, deren Männer mit Lutz in der Schule arbeiten. Wir mögen die beiden Familien sehr und treffen uns regelmäßig mit ihnen; gestern waren wir bei Susanne zum Glühwein trinken und nächste Woche sind wir bei Sabine zum Geburtstag eingeladen. Auch mit Kostas und Anna waren wir letzte Woche mal schön an der Promenade von Thessaloniki im Sonnenschein spazieren und Kaffee trinken.

Es wird also nicht langweilig; alle sind unkompliziert, herzlich und offen und wir fühlen uns sehr wohl mit unseren neuen und alten Freunden...

 

Letzte Woche war ich übrigens mal wieder bei JUMBO und IKEA und PRAKTIKER (meine übliche Runde halt) und habe ein bisschen Weihnachtsdeko gekauft, um mein Gehirn daran zu erinnern, dass es nur noch drei Wochen bis Weihnachten sind.

Ich besitze zwar eigentlich wirklich genügend Weihnachtsdeko, die ist aber komplett im Keller in Essen gelandet, weil wir ja für den Umzug nur einen Sprinter hatten und da nur die allernötigsten Dinge mitgenommen haben. Deshalb haben wir jetzt auch beschlossen, tatsächlich über Weihnachten mit dem Auto nach Deutschland zu fahren und auf dem Rückweg viele große und kleine Dinge mitzubringen, die wir doch irgendwie vermissen: Eine Mikrowelle, verschiedene Werkzeuge, Schrauben, Dübel, Silikon und Installationszubehör (das ich in Deutschland alles in der Garage habe und hier nicht neu kaufen will), Schlafsäcke, Vollkornmehl, mein biologisches Mückenschutzmittel ZEDAN und Mückenschutzkleidung (jaaa, hier fliegen sie immer noch - auch im Dezember!); gute holländische Sojasauce; eine Wärmedecke für mein Bett; eine Ultraschall-Anti-Bell-Pfeife; Elmex-Zahnpasta, Salzlakritz (das es übrigens glaube ich nirgendwo auf der Welt gibt außer in Holland und Deutschland), Zeranfeldschwämme, Trockenfrüchte, den guten CUPPER Tee von dm, Sahnemerretich und Remoulade, 3:1 Gelierzucker und leere Marmeladengläser...

Das sind so ein paar Sachen, die mir im Moment einfallen und ohne die man witzigerweise ungerne leben möchte... Warum?... Wer sie Mal probiert hat, versteht vielleicht, dass mir griechische Marmelade wirklich ganz ganz ganz furchtbar schmeckt (Sorry liebe Griechen!) und hier gibt es zum Selber-Einkochen leider nur 1:1 Gelierzucker. Also hat Till mir im Oktober schon den guten 3:1 Zucker mitgebracht, damit die selbstgemachte Marmelade nicht so süß wird. Das nächste Problem war dann aber, dass ich kaum Lebensmittel in Gläsern gefunden habe, um die leeren Gläser dann als Marmeladengläser zu benutzen... Ok, Pesto und getrocknete Tomaten gibt es auch hier in passenden Gläsern, aber wieviel Pesto und getrocknete Tomaten kann man zu zweit vertilgen?!... Jedenfalls habe ich bisher kaum Marmelade verschenken können, weil ich dann wieder eins meiner heiligen Gläser hätte opfern müssen. Aber im Keller in Deutschland habe ich noch massenhaft leere Gläser!...

 

Das sind ja vielleicht Luxus-Probleme! werdet Ihr denken... Ja richtig, es SIND Luxusprobleme, aber zum Einleben und Sich-Wohlfühlen gehören so manche Dinge eben einfach dazu...

 

Übrigens:

Eine Sache, an die ich mich bis jetzt absolut noch nicht gewöhnt habe, ist dass in den meisten Restaurants und öffentlichen Gebäuden die Klotüren nicht abgeschlossen werden können! ... Jaaa genau, Ihr habt richtig gelesen! Es gibt zwar Türen, aber keine Riegel oder wenn doch, sind die Riegel kaputt! (rühmliche Ausnahme: IKEA!) Das geht dann so: Wenn man fertig ist, lässt man die Klotüre einfach auf... Geschlossene Tür heißt also: Da sitzt gerade Jemand und arbeitet! Offene Tür heißt: Klo ist frei! Ganz einfach!?...

Nicht immer... Schwierig wird es nämlich dann, wenn mehrere solcher Nicht-Griechen wie ich das entsprechende Lokal besuchen: Wir machen leider automatisch immer die Türe hinter uns zu, wenn wir das Klo verlassen... Pech für die armen Griechen, die das nicht mit gekriegt haben und nichts ahnend vor dem leeren Klo stehen und noch mehr Pech für die lange Warteschlange dahinter...

Meine Freundin Susanne hat eine Griechin gefragt, wie sie das macht. Ganz einfach:

Wenn man vor einer geschlossenen Tür steht, gibt man ihr einfach einen leichten Stupser - wenn von drinnen ein Schrei ertönt, ist das Klo grade besetzt...

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