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Und doch noch mal: Alltag im Zeichen von Corona

Eigentlich wollte ich nicht noch einen Corona-Artikel schreiben, weil ich versuche, nach dem Motto zu leben "Ernst nehmen, aber nicht verrückt machen lassen", aber dank der scharfen Ausgangssperre hier ist das Thema so dominant, dass es auch gut tut, Euch von unserem Alltag zu erzählen und wenigstens auf diese Art und Weise mal "raus" zu kommen...

 

Seit fast zwei Wochen hocken wir also jetzt tatsächlich komplett zu Hause und dürfen nur noch mit schriftlicher Genehmigung raus...

Wen es interessiert, der kann sich die genauen Bedingungen ja am Ende des Artikels angucken!

 

Allerdings jammere ich auf hohem Niveau: Wir haben ein tolles Haus und einen großen Garten und könnten uns hier also locker so richtig wohl fühlen... Vor zwei Wochen, am letzten Wochenende vor der Ausgangssperre waren wir sogar noch im Olivenhain und haben die Bäume beschnitten...

Und dann kam der große Regen... und seit zwei Wochen regnet und regnet und regnet und stürmt es fast ununterbrochen! 

Und als i-Tüpfelchen hat der heftige Sturm letzte Nacht auch noch für einen totalen Stromausfall gesorgt!!! Grrrr!!! Auch das noch!!!  Das Ganze hatten wir im Herbst schon mal, da hat es 2 Tage gedauert und ich habe Euch darüber berichtet... => Das Geisterhaus

Kein Strom heißt kein Herd, keine Heizung (bei nasskalten 5-9 Grad), kein Kühlschrank, der Tiefkühl taut langsam vor sich hin, kein Alles-Was-Man-Normalerweise-So-Macht. Z.B. kein heißes Wasser also auch kein Kaffee...

 

Eigentlich bin ich ja ein Mensch, der auch mal gerne zu Hause ist und mache immer aus allem das Beste; ich habe viele Hobbies, mache mein Heim gerne gemütlich, koche, backe... und eigentlich könnte ich jetzt ganz in Ruhe all meinen Hobbies nachgehen, aber uneigentlich fühle ich mich grade wie das berühmte Kaninchen vor dem Auto: Wenn ich mich nicht bewege und nichts mache, geht es hoffentlich einfach an mir vorbei... Also starre ich auf das Auto oder besser gesagt auf meinen Computer und würde am Liebsten den ganzen Tag auf Facebook und in den Nachrichtenportalen gucken, ob es meiner Familie und all den lieben Menschen, mit denen ich fern und nah befreundet bin, auch gut geht, Anteil nehmen, mich informieren, mich beruhigen, warten bis es an uns allen vorbei geht... Aber das tut mir auch nicht gut, also schiebe ich die Sorgen, die ich mir um meine Lieben mache, irgendwo ganz ganz hinten in mein Unterbewusstsein, weil sie mich sonst viel zu hilflos machen. Es gibt tatsächlich Momente, in denen mir das alles, was da grade auf der Welt passiert so unwirklich vorkommt, als säße ich im Kino in einem unglaublichen Film und nicht zu Hause auf dem Sofa...

 

Mit unseren deutschen Freunden und Kollegen hier in Griechenland die wir seit fast drei Wochen nicht mehr life gesehen haben, wird in der whatsapp-Gruppe diskutiert: Was machen wir, wenn der Ausnahmezustand noch ein halbes Jahr dauert? Oder noch ein ganzes Jahr? Oder wenn die Griechen irgendwann alles wieder lockern und dann die Pandemie mit ganzer Gewalt über das Land hereinbricht und wir hier nicht mehr gut leben können... Was hoffentlich nicht jetzt schon an Ostern passiert... dem größten Familienfest hier und genau so wichtig wie unser Weihnachten... Eine Freundin hat Asthma - wie gefährlich wird es für sie?... Fliegen wir dann alle nach Hause? Gibt es überhaupt dann noch Flüge oder holt uns Deutschland dann zurück?...

Puh, was für schwere Gedanken!

 

Die in dieser Hinsicht entscheidende Nachricht, die mich extrem beruhigt hat, kam heute von meiner Freundin, die bei Lufthansa arbeitet: Lufthansa hat in den letzten Wochen 60.000 Deutsche aus aller Welt nach Hause geholt und es geht noch weiter... Der Plan für den äußersten Notfall steht also... Danke Lufthansa!

 

Zurück zum Alltag:

Den entscheidenden Unterschied zum Leben ohne Corona merke ich in der Freizeitgestaltung: Wir waren bisher mindestens mehrmals pro Woche am Strand, haben dort eine Kleinigkeit gegessen und die Ruhe genossen und haben uns am Wochenende schön mit unseren Freunden getroffen oder Land und Leute erkundet... Das fällt jetzt alles komplett weg. Auch alle Besucht-Werden oder Selbst-Kurzurlaub-Machen-Pläne sind natürlich auf Eis gelegt und so fühlt sich der Alltag nicht mehr nach "schöne Auszeit vom deutschen Alltag" an, sondern nach "Alltag wie ich ihn mir nicht wünsche", nämlich ohne die bekannten Strukturen, die einem in so einer Zeit Halt geben; stattdessen mit mehr Sorgen und Unsicherheiten, angefangen bei der Frage, "In Deutschland habe ich meinen Hausarzt...Wo rufe ich an, wenn ich oder Lutz hier doch Symptome bekommen?"...

Ihr wollt meine Antwort darauf wissen?... Na ist doch klar: Wir rufen unsere lieben griechischen Freunde an! Wir haben echt so ein Glück und es macht unser Leben hier so viel einfacher, unsere guten Freunde hier zu haben, die immer für uns da sind!

 

Was übrigens im Alltag noch weg fällt, ist jegliche Form von Ausdauer-Bewegung, da man nur für die allernotwendigsten Erledigungen vor die Tür darf. Und auch wenn unser Haus noch so groß ist, ein schöner langer Spaziergang ist einfach nicht möglich. Am Montag sind wir tatsächlich zwanzig Mal ums Haus gegangen, am Dienstag, am Sonntag und gestern haben wir Yoga gemacht... das wars! Vorgestern haben wir verbotenerweise mal versucht, hier bei uns auf dem Land spazieren zu gehen, aber das war aufgrund der ganzen scharfen Wachhunde, die hier jedes Grundstück bewachen das reinste Spießrutenlaufen... dazu mal in einem anderen Artikel...  Heute Morgen habe ich Euch die neusten Infos von der deutschen Botschaft Athen runtergeladen und siehe da: Sie haben die Liste um "Sportliche Betätigung" erweitert! Puh! Dann dürfen wir also endlich wieder spazieren gehen!...

Wie lange das schon so ist, kann ich nicht sagen; ich gucke nur ein Mal pro Woche auf dieser Seite... und bin ehrlich gesagt über Corona in Köln besser informiert, als über Corona hier vor Ort! Von den Nachrichten hier verstehen wir nämlich leider immer noch kein einziges Wort...

 

Wie ich euch letzte Woche schon erzählt habe, muss Lutz natürlich trotz Corona arbeiten; jeden Morgen um acht setzt er sich an den Computer und öffnet den Chat für seine Schüler und dann läuft der ganz normale Stundenplan. Und ich setze mich auch wie immer mit meinem Frühstück an den Schreibtisch und starte den Tag mit Griechisch lernen und mit meinem online-Fernkurs. Dann wird gekocht und was einem sonst noch so einfällt im Haus...

Und natürlich hocke ich nicht den ganzen Tag wie hypnotisiert vor dem Computer, sondern mache viele andere Dinge: Ich probiere zum Beispiel Backrezepte ohne Mehl aus und heute hatte ich auch mal wieder Lust, was zu nähen. Aus Deutschland habe ich mir schöne Baumwoll-Stoffe mitgebracht, aus denen ich Osterdeko machen wollte... Kurzentschlossen habe ich mir jetzt überlegt, die Stoffe umzufunktionieren und Mundschutz-Masken für Lutz und mich und alle lieben Freunde hier zu nähen!

Ohne Strom war das heute natürlich schwierig, aber immerhin habe ich alle schon fertig zugeschnitten... Und morgen ist der Strom bestimmt wieder da!

 

Den Informations- und Nachrichten-Guck-Zwang, von dem ich oben gesprochen habe, habe ich im Laufe der Woche gut in den Griff gekriegt (wie gesagt: Nicht verrücktr machen lassen!) und auch der Tag heute ohne Strom und folglich ohne Computer war mal sehr schön und hat etwas Abstand gebracht...

In Griechenland gibt es bis heute "erst" 53 Tote und da die griechische Regierung und die Menschen hier sehr sehr sehr verantwortlich mit der Gefährlichkeit von Corona umgehen (die Straßen sind wirklich menschenleer), fühlen wir uns hier eigentlich grade ganz sicher und es tut mir viel besser, nicht den ganzen Tag mit Angst und Unsicherheit konfrontiert zu werden...

Und ab Montag sind die angekündigten zwei Wochen Quarantäne rum, dann sehen wir mal, wie es weiter geht... Jedenfalls soll es auch hier endlich wieder warm und sonnig werden und dann werden Lutz und ich wieder schön auf dem Balkon zusammen Mittag essen, abends und am Wochenende gemeinsam draußen sitzen und wieder spazieren gehen (!) und unsere Zeit in Griechenland genießen, weil es nämlich einfach wichtig ist, dass das Leben und der Alltag aus glücklich sein und schönen Dingen besteht - auch in diesen schweren Zeiten!

 

 

Und für alle, die es ganz genau wissen wollen, hier die Infos von der deutschen Botschaft in Athen:

 

Ab 23.03.2020 06:00 Uhr gilt eine allgemeine Ausgangsperre! Hiervon ausgenommen sind: Wege von und zur Arbeitsstätte, Apotheken- und Arztbesuche, Lebensmitteleinkäufe sowie sonstige notwendige Beschaffungen (z. B. Bank), sofern diese nicht online getätigt werden können. Ferner erlaubt sind: die Rückkehr an den Wohnort, Gänge zu hilfebedürftigen Personen, sportliche Betätigung (max. zwei Personen mit einem Mindestabstand von 1,50m), Ausführen von Haustieren sowie die Teilnahme an Taufen, Hochzeiten und Bestattungen bis maximal zehn Personen. In Pkws dürfen höchstens zwei Personen (inkl. Fahrer) befördert werden.

 

Neben einem Ausweisdokument muss für jeden Gang oben genannter Art eine Bescheinigung mitgeführt werden, die ab dem 23.03. unter https://forma.gov.gr/ (Griechisch) und unter https://forma.gov.gr/en/#employee (Englisch) für Privatpersonen und Arbeitgeber zum Download und Ausfüllen zur Verfügung gestellt wird. Ferner können die Bescheinigungen per SMS an die Nummer 13033 angefordert werden (nur mit griechischer Mobilnummer möglich). Bei Verstoß gegen die Ausgangsperre droht eine Geldstrafe von 150 Euro. Die Maßnahme soll vorerst bis zum 06.04.2020 gelten.

 

Bereits getroffene Maßnahmen, die weiterhin Bestand haben:

 

Alle Geschäfte, die nicht für die Grundversorgung notwendig sind, sind geschlossen. Weiterhin geöffnet sind Supermärkte, Apotheken, Bäckereien, Tankstellen und Take-away-Restaurants.

Einrichtungen wie Museen, Theater, Gerichte, Kinos, Sportstudios, Clubs, archäologische Stätten und Spielplätze sowie sämtliche Bildungseinrichtungen bleiben geschlossen.

 

Ab dem 23.03.20 sind landesweit alle Touristenunterkünfte (u.a. Hotels, Campingplätze, Jugendherbergen und Ferienwohnungen) mit saisonalem oder Ganzjahresbetrieb bis 30.04. geschlossen, mit Ausnahme von jeweils drei Hotels in Athen und Thessaloniki sowie einem Hotel in den jeweiligen Hauptorten der Regionalbezirke (für den Regionalbezirk Evros gilt eine Sonderregelung). Es gibt Ausnahmeregelungen für die Beherbergung bestimmter Gruppen (z.B. medizinisches Personal, Streitkräfte, Studierende). Eine Liste zu den benannten Hotels finden Sie im Regierungsanzeiger Nr. 1073 vom 27.03.2020 (auf Griechisch): Hotelliste

Ab dem 21.03.2020 gilt für den innergriechischen Fährverkehr, dass Fähren nur noch von Personen genutzt werden dürfen, die einen festen Wohnsitz auf der jeweiligen Insel nachweisen können.

 

https://griechenland.diplo.de/gr-de/corona/2311302