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Juni in Thessaloniki

Der Juni ist rum und Corona gefühlt auch. Der Alltag ist ganz normal wieder eingekehrt und Masken werden nur noch von Kellnern getragen (meistens am linken Ohr hängend oder unter das Kinn geklemmt) oder wenn man in einem Einkaufszentrum ist... Da ist es nämlich Pflicht! Die Griechen schaffen es allerdings der Vorschrift "Maske TRAGEN" eine ganz neue Bedeutung zu geben, denn es ist ja nicht vorgeschrieben, WO man die Maske trägt... Es reicht also zum Beispiel auch, sie in der Hand zu TRAGEN...dann wird sie beim Betreten eines Geschäftes kurz aufgesetzt, weil das dort von Mitarbeitern kontrolliert wird und fünf Schritte weiter sofort wieder abgesetzt und dann in der Tasche geTRAGEN... Pflicht erfüllt!...

Seit 15. Juni dürfen wieder Flugzeuge mit Touristen in Thessaloniki landen und am 17. Juni saßen im Flieger aus Deutschland schon die ersten 4 Corona-Fälle...
Immerhin werden hier alle Einreisenden getestet und müssen in häusliche Quarantäne, bis der Test nach 1-2 Tagen ausgewertet ist... Der Flughafen in Athen macht nur Stichproben...

Was gibts noch?


Ziemlich schreckliche Nachrichten von den Straßenhunden, über die ich ja schon öfter geschrieben habe: Im März wurde ein Jogger in einem Waldstück am Stadtrand in der Nobelgegend von Thessaloniki von einer Meute wilder Hunde angefallen und zerfetzt... Er hat es leider nicht überlebt... Ich verstehe immer weniger, warum man hier nichts dagegen unternimmt...

Seit es so schön warm ist, bekommen wir auch unsere Haus- und Gartenschlange jeden Mittag einmal zu sehen, wenn sie einen kleinen Ausflug über die große Wiese im Garten macht und Regenwürmer fängt...
Ich habe inzwischen ein wirklich schönes Foto von ihr und sie ist der Star all unserer Gäste...

=> Rambo und die griechische Wildnis 1

=> Rambo und die griechische Wildnis 2

Ich hatte 2 Wochen lang einen hartnäckigen Durchfall, den ich mir entweder im Meer oder von unserem Trinkwasser geholt habe... Das kenne ich ja aus Mexico und geht wieder vorbei... Ich fühle mich gut, trinke genügend, passe mit dem Essen auf und habe mir Leporamid besorgt. Wenn Durchfall länger als 5 Tage anhält, MUSS man mal zu härteren Mitteln greifen, um dem Körper eine Pause zu gönnen!

Unsere Vermieterin ist für die kompletten Ferien in ihrer Einliegerwohnung und kümmert sich schön darum, dass alle Bauarbeiten gemacht werden, während wir weg sind - Putz von der Wand schlagen, die über die Regenmonate feucht und schimmelig geworden ist und neu verputzt werden muss, alle Dächer abdichten...

Der Regen ist jetzt Gott sei Dank endlich vorbei und Anfang Juni stieg das Thermometer auf angenehme 25 Grad... Jippiiiee!!! Wir waren öfter am Strand, haben Abends am Meer Mezzes gegessen und Griechenland in vollen Zügen genossen...
Nach 2 Wochen perfekter Idylle kletterten die Temperaturen aber schon auf 30-35 Grad tagsüber und 25-27 Grad nachts - was so grade noch gut auszuhalten ist - und gehen jetzt kontinuierlich hoch, sodass wir ganz froh sind, der Sommerhitze in Griechenland zu entkommen... Letztes Jahr waren wir ja im August hier und konnten uns von 14.00 bis 19.00 nur im Haus aufhalten... Das machen die Griechen übrigens genau so... Tagsüber drin bleiben und dann spielt sich das Leben bis tief in die Nacht hinein ab...

=> Auf und zu und rauf und runter - Alltag bei 42 Grad


In Griechenland fangen jetzt die großen Ferien an, die 2 Wochen länger sind als bei uns, nämlich acht Wochen und praktischerweise einfach immer im Juli und August liegen. Im August hat dann einfach jeder in Griechenland frei, alle Geschäfte und Firmen fahren nur noch auf Sparflamme, die öffentliche Verwaltung ist nur noch im Notfall ansprechbar und eine große Völkerwanderung setzt ein: Die erwachsenen Kinder zieht es mitsamt der Enkel zu den Großeltern aufs Land oder wer wie die meisten Griechen ein kleines Häuschen am Meer hat, öffnet es für den Sommer, kehrt die Asseln und die Mäuseköttel aus der Wohnstube, jätet das wildgewucherte Gestrüpp vor der Tür und wandert mit Sack und Pack für vier Wochen aus. In der Stadt staut sich nämlich die extreme Hitze von meist über 40 Grad und wird zum Backofen - obwohl abends ein leichter Wind vom Meer weht, schafft auch das keine Abhilfe, denn die Steine der Gebäude haben die Hitze über Tag gespeichert und geben sie abends schön ab wie eine riesengroße zuverlässige Heizdecke... Also nichts wie raus und ab nach Chalkidiki!
Das ganze geht schon an den Juni- Wochenenden los: Man merkt schon deutlich die Sehnsucht der Thessalonier nach Meer... Obwohl sie das ja eigentlich jeden Tag direkt vor der Nase haben, muss es doch Chalkidiki sein! In langen langen Staus, die schon auf der Stadtautobahn von Thessaloniki anfangen und sich bis auf die 100 km entfernten Halbinseln wälzen zieht es die Griechen an die Strände im Süden. Hier ist das Wasser noch blauer, es warten traumhafte Strände und das eigene kleine Häuschen statt der Etagenwohnung in der Stadt.

=> Kassandra

=> Sithonia
Einige Familien haben sich direkt mehrere Ferienhäuser nebeneinander gekauft und leben hier die Großfamilie - eine Sehnsucht, die eigentlich jeder Grieche in sich trägt und sich hier einmal im Jahr ausgiebig erfüllt: Wenn Oma, Opa, Tante Anna, Tante Maria und Tante Christina mit Onkel Georgious, Onkel Costas, Onkel Dimitri und den Kindern anrücken und sich alle glücklich in die Arme fallen, ist die Welt wieder in Ordnung...
Und so ein bisschen Sehnsucht spüre sogar ich nach diesen glücklichen Familien-Sommern, die es in Griechenland tatsächlich noch gibt....
Wem spricht Peter Fox schließlich nicht aus dem Herzen? :
"...Und am Ende der Straße steht mein Haus an der See... ich habe 20 Kinder, meine Frau ist schön... alle kommen vorbei, ich brauch nie raus zu gehn..."