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September in Thessaloniki

Guten Morgen Ihr Lieben,

 

nach einer langen langen Sommerpause bin ich seit Anfang September wieder in Thessaloniki.

 

Vier Wochen in Deutschland haben mir so viel Abstand beschert, dass ich für unser erstes Jahr in Griechenland schon mal in einem Rückblick gucken konnte, was war gut und was ich ändern will...

Was wirklich toll ist und woran ich unbedingt festhalten möchte ist die schöne Zeit, die Lutz und ich hier verbringen und der nette Kontakt zu Lutz Kollegen - vor allem zu meinen beiden Mädels, mit denen ich mich ein- bis zwei mal die Woche treffe. Und dann natürlich mein Blog, den ich jetzt wieder regelmäßig mit schönen Texten und Bilder bestücken werde...

 

Aber mir ist auch bewußt geworden, dass ich das, was ich mir letztes Jahr als schöne Hobbies vorgenommen hatte kaum gemacht habe: Malen, Nähen, Fotografieren, Yoga machen, Schwimmen und Fahhrad fahren.

Schwimmen klappt im Moment ganz gut - wir sind im Moment mehrmal die Woche abends am Meer und kühlen uns ab!

 

Zum Fahrrad fahren und den gefährlichen wilden Hundemeuten hier habe ich ja schon oft genug geschrieben... Immerhin habe ich mir einen Rollentrainer gekauft und mein "Heimtrainer-Fahrrad" (ein aussortiertes Fahrrad der Vormieter) seht mit dem Rollentrainer jetzt seit einer Woche beim Fahrradhändler, da er mir die Hinterachse so umbauen soll, dass das Rad auf den Trainer passt. Jeden Tag fahren wir dort also vorbei und jeden Tag sagt er: "Das Ersatzteil, das ich bestellt habe, ist noch nicht da, aber MORGEN kommt es bestimmt!" Die Mexicaner würden die Schultern zucken und sagen "Manana", was "Morgen", "Nächte Woche", "Irgendwann" oder "Ich weiß auch nicht wann" bedeuten kann... Mal sehen, wie weit sich das Griechische "Avrio" so zieht...

Auch egal -  im Moment gehe ich ja sehr viel schwimmen!

 

Unser erster Yoga-Anlauf für dieses Jahr hat leider auch noch nicht soooo gut geklappt, weil die DVD mittendrin dauernd Ausfälle hatte... Tja...

 

Und da ich die letzten beiden Wochen mit Auspacken, Umräumen und einer Online-Fortbildung beschäftigt war, habe ich auch noch keine Zeit zum Nähen oder Malen gehabt, bin aber wild entschlossen, damit bald wieder anzufangen.

 

Warum ich das bisher nicht gemacht habe, obwohl ich es mir doch vorgenommen hatte?... Meine Antwort klingt ein bisschen komisch, aber ich habe immer gearbeitet und es fiel mir tatsächlich schwer, mich als wertvoll zu fühlen, wenn ich nicht arbeite. Also habe ich mir andere Daseinsberechtigungen gesucht, wie Griechisch lernen, Online-Fortbildungen, hier und da mal freundschaftliche Beratungen und nicht zuletzt: Gute-Hausfrau-Spielen! Diese Tätigkeiten aus dieser sehr schrägen Motivation heraus werde ich nun aber guten Gewissens über Bord werfen und mal ausprobieren, wie sich das Leben anfühlt, wenn man nur noch seinen Hobbies fröhnt! Gekocht habe ich in den letzten zwei Wochen bisher nur einmal, weil es einfach zu heiß war... Also alles in allem ein ganz guter Start ins zweite Jahr!

 

Für unser zweites Jahr in Griechenland habe ich mir also vorgenommen, Einiges anders zu machen, als im ersten und habe auch direkt damit angefangen, alle meine guten Vorsätze umzusetzen:

Ich habe noch mal die Zimmer umgeräumt, sodass ich mein Zimmer / Büro jetzt in dem Raum habe, das genau über dem Heizungskeller liegt und deshalb im Winter einen wunderbar warmen Fußboden hat. Das ist im Moment noch nicht wichtig, aber im Herbst/Winter/Frühling, wenn es hier maximal 10-15 Grad sind, werde ich diesmal hoffentlich nicht jammernd und klagend durchs Haus streifen und meine immer kalten Füße bedauern. Außerdem ist es fast unmöglich, unseren riiiiesiges Wohn-Ess-Küchen-Eingangsbereich so zu heizen, dass er mollig warm ist, ohne dass wir arm dabei werden. Das haben wir letztes Jahr vergeblich versucht und trotz zusätzlichem Heizen mit unserem großen kamin unfassbare 2000 Liter Öl verbraucht (1L Öl = 1 €)...

Also, das ist schon mal geändert.

 

Dann habe ich meine Halbjahres-Online-Fortbildung "Kinderschutz in der Medizin" erfolgreich abgeschlossen und mir fest vorgenommen, keine solchen Verpflichtungen mehr einzugehen (mal sehen, ob ich das durchhalte - ich liiiiebe Fortbildungen!!!). Wonach ich mir allerdings schon erlaubt habe zu googeln sind tolle Online-Malkurs oder Fotografie-Kurse! Auch eine tolle Idee! Ich bin überhaupt sehr begeistert von diesem netten Nebeneffekt von Corona; nämlich dass Online-Kurse plötzlich wie Pilze aus dem Boden schießen... Eine völlig neue Welt der Möglichkeiten!!!

 

Außerdem habe ich meinen beiden Mädels gesagt, dass ich nicht - wie mal angedacht - ab Herbst einen Griechisch-Fortgeschrittenen-Kurs mit ihnen mache. Stattdessen lege ich mein Griechischzeug erst mal komplett ad acta und falls ich dann unbedingt mal Zeit und Lust habe, was zu machen, kann ich das ja spontan mal tun. Meine Grundkenntnisse, die ich mir 2 Monate lang jeden Tag über 6 Stunden mühsam eingebleut habe, reichen zwar, um Vieles zu verstehen, aber um mich zu unterhalten, dann leider immer noch  nicht... Das liegt nicht am fehlenden Vokabular, sondern daran, dass die Griechen beim sprechen so dermaßen schnell reden, nuscheln und die Hälfte der Wörter verschlucken, dass ich dann leider gar nichts mehr verstehe. Das ist keine Kritik an den Griechen! Mir ist sehr bewußt, dass ich das im Deutschen genau so mache, aber das hilft leider auch nicht; ich kann mich trotzdem nicht unterhalten.... Also wird auch das Projekt "Griechisch lernen" erst mal gekippt...

 

Dann habe ich ja noch ein paar befreundete Familien, die ich hin und wieder bezüglich ihrer Kinder berate und auch denen habe ich inzwischen verkündet, dass ich das nicht mehr tun werde. Die Art und Weise war mir zu unprofessionell mit einem fehlenden Praxisraum und ständigen Überschneidungen mit beruflichen und privaten Treffen und hat mich eher unzufrieden gemacht. Ich konnte das gut darlegen und zum Glück waren auch alle sehr zufrieden mit dem, was ich ihnen bisher mitgeben konnte.

 

Was noch ?...

Ach ja: Im letzten Jahr haben wir es zwar sehr genossen, aber trotzdem kaum hingekriegt, regelmäßig abends zusammen ans Meer zu gehen, zu schwimmen und schön beim Sonnenuntergang noch was zu trinken...

Da die griechische Regierung aber entschieden hat, wegen Corona den Schulstart im letzten Moment um zwei Wochen zu verschieben (dann kriegen hoffentlich alle, die sich im Urlaub angesteckt haben ihren Corona-Ausbruch VOR dem Schulbeginn), hat Lutz bisher keinen Unterricht, sondern nur Präsenzzeiten an der Schule mit Vorbereitungen und Konferenzen. Dadurch haben wir es tatsächlich geschafft, mindestens jeden zweiten Abend am Meer zu sein - Wunderbar!

Das Ganze wird sowieso nicht ewig gehen, da es ja ab Oktober und spätestens November zu kalt zum Schwimmen sein wird und dann hoffe ich, dass wir auf Spazieren Gehen umschalten. Und für den Herbst haben wir uns - vorausgesetzt Corona lässt es zu - vorgenommen, mit einer Kollgin in einmal die Woche in einem Hallenbad schwimmen zu gehen - Mal sehen, ob das klappt!

 

Der September ist jedenfalls so heiß, dass alle stöhnen - Griechen wie Deutsche: In der ersten Woche noch 35-40 Grad mit extrem heißem Wind - ab der zweiten Woche immerhin nur noch 30 Grad, aber die Hitze legt sich ab dem frühen Nachmittag wie eine Wärmedecke über das Land und drückt unerbittlich alles nieder, was irgendwie auch nur die geringsten Anzeichen von Leben zeigt... Unsere griechischen Nachbarn haben einfach den ganzen Tag alle Rolladen zu, um die Wärme draußen zu halten, ich halte mich eher an mein ausgeklügeltes System, verschiedenste Türen und Fenster, die zu unterschiedlichen Zeiten in der Sonne bzw im Schtten liegen auf - und wieder zu zu machen  >Auf und zu und rauf und runter.

Nachts kühlt es kaum ab und der Wind, der nach Sonnenuntergang vielleicht dann nicht mehr ganz so heiß wäre, legt sich plötzlich völlig und lässt die Luft auf der Stelle stehen. Wir haben zwar eine Klimananlage, versuchen sie aber nur im Notfall zu benutzen, zum Beispiel als es Tag und Nacht 35-40 grad war und ich meinen Körper damit dann zum nachmittäglichen Siesta-Schläfchen damit dann mal auf verträglichere 22 Grad abgekühlt habe... Stattdessen laufen aber Tag und Nacht alle Ventilatoren! Übrigens habe ich in meinem neuen Arbeitszimmer einen tollen Effekt entdeckt: Ich habe einen Tischventilator oben auf einem Regal plaziert und er bläst von da aus so toll die Luft kreuz und quer durchs Zimmer, dass ich immer eine frische Brise habe, ohne dass er direkt auf mich gerichtet ist! Unbedingt ausprobierenswert. Wenn das mein Haus wäre, hätte ich ja in jedem Raum einen Deckenventilator...

Na ja, in Deutschland war es ja fast genau so heiß, als wir da waren und ich vermute mal, dass in Zukunft durch den Klimawandel jetzt auch in Deutschland griechische Sommer Einzug halten - wenn wir in ein paar Jahren wieder zurück gehen, kann ich mich dann ja in unserem eigenen Haus austoben...

 

Erst ab 18 Uhr abends kann man sich vorstichtig an den Strand trauen, dann schnell ins kalte Wasser und dort 1-2 Stunden ausharren, bis um 8 Uhr dann endgültig die Sonne untergeht und der Tag zu einem wunderbar milden Abend wird. Die Griechen machen es ganz genau so, gehen erst gegen 20 oder sogar 22 Uhr Essen und ziehen den Abend dann bis Mitternacht. Das passt leier nicht so ganz zu unserem Lebensrhythmus und das würde Lutz auch nicht schaffen, wenn er am nächsten Tag arbeiten muss... Eine Freundin hat mir gestanden, dass sie im Moment von 2-6 auf dem Sofa liegt und Tour de France guckt, bis die Hitze endlich wieder zurückgeht... Ich glaube ernsthaft, das werde ich auch mal ausprobieren!

 

Wem die Wärme übrigens wunderbar gefällt, sind einige neue Mitbewohner, die uns hier bisher noch nicht begegnet sind und die jetzt plötzlich aus ihren Löchern kriechen:

Wenn wir am Nachmittag / frühen Abend mit dem Auto los wollen, müssen wir jetzt immer sehr sehr gut gucken, denn was bei uns die Froschwanderungen sind, sind hier kreuzende Schildkröten, die mal eben über die Straße laufen und bei der Erschütterung durch unser Auto leider nicht die Beine in die Hand nehmen, sondern sich mal flugs in ihren Panzer zurückziehen und hoffen, dass das komische große grüne Tier auf vier Rädern sie nicht frisst - leider entscheiden sie sich zu dieser Überlebensreaktion meistens, wenn sie grade in der Mitte der Straße angekommen sind... Also: gaaanz gaaanz langsam drumherum fahren!

 

Das nächste Tierchen, dass bei dieser Hitze auf einmal seine Schlupfwinkel verlässt sind minikleine fast durchsichtige Gekkos, die leider beschlossen haben, in unserem Haus rumzulaufen... Eigentlich finde ich Gekkos im Haus toll - die sind sehr niedlich und fressen ja Insekten! Aber leider bewegen sich unsere Mini-Gekkos nicht an der Zimmerdecke, wo sie sicher wären, sondern meinen, stattdessen im Halbdunkeln mal eben im Flur oder auf dem Schlafzimmerfußboden rumhuschen zu müssen, sodass man beim nächtlichen Gang aufs Klo jetzt unglaublich aufpassen muss, nicht aus Versehen so einen süßen kleinen Kerl platt zu treten...

 

Und heute Morgen bei Frühstück auf der Terrasse (mit Meerblick!) habe ich dann noch einpaar Besucher gesehen, die uns bisher noch nicht untergekommen sind: Drei herrlich strahlendgrüne Papageien saßen auf dem Dachgiebel des Nachbarhauses! Da ich als juger Mensch lange lange Zeit Wellensittiche und Kanarienvögel hatte, habe ich tatsächlich kurz überlegt, wie man die drei herlocken könnte, aber denen geht es hier so gut, dass sie sicherlich nicht die Freiheit gegen ein Leben im Haus tauschen möchten. Ich kriege mich sicherlich auch ohne Hautiere hier gut beschäftigt! Als erstes fahren wir gleich mal zum Sommerhaus eines netten Kollegen, der uns zu Strand und Grillen eingeladen hat...

 

Auf ein Neues: Griechenland 2.0 ich komme!

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