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Dezember in Thessaloniki

Oh je, der Dezember in Nord-Griechenland ist echt hart... Regen Regen Regen Regen Regen Regen Regen Regen Regen Regen Regen Regen Regen Regen Regen... Und natürlich ist unser Haus für heiße Sommertage gebaut mit vielen vielen Fliesen und riesigen hohen Räumen, sodass die Temperaturen, die draußen schon zwischen 1 und 15 Grad liegen im Haus noch mal um 5 bis 10 Grad niedriger sind. Und da das haus nicht isoliert ist, durchweicht der Regen die Mauern, sodass es in den nicht geheizten Räumen wie unserem Schlafzimmer klamm-kalt ist und ich meine Anziehsachen unten in meinem warmen Arbeitszimmer ausziehe und mein Nachthemd morgens schön unter die Bettdecke lege, damit es abends nicht klamm ist. Natürlich könnten wir heizen, aber da wir eine Ölheizung haben, das Haus wie gesagt nicht isoliert ist und wir mit Grundheizen in allen Räumen letztes Jahr schon 2000 € bezahlt haben, kann und will ich mir gar nicht ausmalen, was es kosten würde, die Räume alle schön mollig durchzuwärmen...

 

Und auch der lockdown zieht uns diesmal zunehmend runter!

Im März waren wir alle fest davon überzeugt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis alles wieder besser wird; nach einem Sommer mit vielen in- und ausländischen Touristen und feierwütigen Thessaloniern ist es diesmal richtig schlimm mit über 100 Toten am Tag und einer immer noch sehr maroden Gesundheitsversorgung: Selbst für die am kritischsten beatmeten Kranken ist in den Krankenhäusern kein Platz mehr da und sie werden in die unbeheizten OPs geschoben; die normalen Kranken liegen dann auf den Fluren und im Minutentakt kommen die Krankenwagen vorgefahren und bringen neue Corona-Opfer...

Und meine Angst, hier in diesem Land krank zu werden wird immer größer; zum Glück macht Lutz seit Mitte November schon online Uunterricht, sodass wir zumindest von dieser Seite her sicher sind.

Leider habe ich komische Schmerzen unter den Füßen bekommen, will hier aber nicht zum Arzt gehen und habe jetzt meinen Arzt und meinen Physiotherapeuten in Deutschland kontaktiert. Und siehe da:

Es gibt inzwischen Videosprechstunden, die auch von der Krankenkasse bezahlt werden - Gott sei Dank! Damit kann ich das Problem gut angehen.

 

Es ist sowieso erstaunlich, was plötzlich alles online geht. Noch vor 1,5 Jahren, als wir hier her gezogen sind, habe ich im Internet nach einer schönen Weiterbildung für mich gesucht, um die Zeit hier vielleicht auch beruflich für mich nutzen zu können - nada! nichts!

Und jetzt macht eine meiner beiden deutschen Freundinnen hier tatsächlich ein 4-jähriges Masterstudium zur Schulleiterin! Ohne jegliche Präsenzseminare in Deutschland - vor Corona undenkbar! Wow!

Da  habe ich doch auch gleich noch mal für mich geguckt und habe tatsächlich auch ein reichhaltiges Angebot gefunden. Wunderbar! Da tun sich doch gleich ganz andere Perspektiven auf!

 

Ansonsten ist im Dezember absolut tote Hose. Zu dem Frust, dass wir in so einer Familienzeit nicht nur weit weg von unserer Familie sind, sondern auch sonst keinerlei menschlichen Kontakt haben, kam noch der Frust dazu, dass wir eigentlich geplant hatten, die Weihnachtsferien auf Kreta zu verbringen, was nun natürlich auch nicht geht.

Ich habe also ganz ganz ganz viel gemalt, gebastelt und gebacken (> ClaudisCreatives) und permanent das Gefühl, Zeit tot zu schlagen...

Die Kekse haben wir immerhin zwei Tage vor Weihnachten an unsere Freunde verteilt, mit denen wir uns verbotenerweise einzeln für jeweils  5 Minuten im Stehen mit Abstand und Masken auf dem Schulparkplatz getroffen haben.

 

Die Adventszeit war so frustrierend, dass Weihnachten selber dann tatsächlich noch sehr schön war, weil wir uns festlich angezogen haben, lecker Sauerbraten mit Rotkohl und Klössen gekocht haben und den ganzen abend beim Essen nacheinander mit all unseren Lieben geskyped haben. Außerdem haben wir über die Weihnachtstage den Kamin im Wohnzimmer ordentlich angestocht und haben schöne heimelige Stunden davor verbracht. Und ich habe mir mir zu Weihnachten gewünscht, dass wir uns wieder einen netflix-Account holen und entsprechend haben wir herrliche lange Abende im warmen Bett damit verbracht, unendlich lange Serien zu gucken. Ein echt positiver Ausnahmezustand.

 

Und zwischen Weihnachten und Neujahr wurden uns dann tatsächlich noch ein paar herrliche Sonnenstunden geschenkt. Bei 15 Grad konnten wir meistens am frühen Nachmittag unser Lager auf der Dachterrasse aufschlagen und die Wärme und die Helligkeit nach all den dunklen Regentagen genießen.

Das ist witzigerweise ein Riesenunterschied, ob im Dezember in Deutschland die Sonne scheint oder hier. Hier hat die Sonne enorm viel Kraft und man sitzt zwar mit einer Decke auf der Terrasse aber nur im Pullover! Diese Tage haben uns dann auch wirklich mit dem Horror-Dezember versöhnt und irgendwie alles wieder wortwörtlich in ein anderes Licht getaucht. Auf ins nächste Jahr! Es kann nur besser werden!

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