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Februar in Thessaloniki - lockdown im Sanatorium

So, der Februar ist rum und am lockdown mit Ausgangssperre und Kontaktverbot hat sich nichts geändert. Die Temperaturen sind fast identisch mit Deutschland - mal hinken wir ein paar Tage hinterher, mal die Lieben in der Heimat. Mir wird immer mehr bewußt, dass wir in Nord-Griechenland sind: Es gibt wirklich ekelige Tage hier mit nasskaltem Üsselwetter, immer wieder werde ich morgens wach und kann grade mal vier Meter weit sehen, weil dichter Nebel im Tal hängt und eines Morgens liegt ein hoher Schneeberg vor unseren Schlafzimmertüren... Also beschließe ich, mir eine Wollhose zu stricken, die ich über meiner leggins anziehen kann, wenn es mir hier zu ungemütlich wird - ich komme mir zwar vor, wie im Mittelalter, aber ich habe ja Zeit genug, um solche Projekte anzugehen und diese Kuschelhose wird mit den Wochen tatsächlich zu meinem Lieblingskleidungsstück! Vielleicht mache ich mir ja noch eine Zweite? Mal sehen...

 

Da ich meiner Wahrnehmung nicht so ganz traue, gucke ich mir jetzt immer parallel die 2-Wochen-Diagramme an und siehe da: Kaum ein Unterschied! Das liegt natürlich auch daran, dass Deutschland grade einen sehr milden Winter und ein fantastisches Frühjahr erlebt, aber das sind ja tolle Aussichten, wenn wir in 1,5 Jahren wieder zurück gehen: Dann haben wir zu Hause griechisches Wetter!!!

 

 

 

Jedenfalls berichten Freunde und Familie von herrlichen Sonnen-Spaziergängen, Fahrradtouren und Ausritten und wir machen es uns ab 14 Grad in einer windegschützten Ecke auf unserer Dachterrasse gemütlich. Zwar mit dicken Decken und schön eingemummelt, aber immerhin in der Sonne mit Blick aufs Meer - unser Wellness-Sanatorium!

 

Das Einzige, was die Idylle trübt, ist dass man immer wieder plötzlich aus seinem Sonnen-Schläfchen hochschreckt, weil es komisch angebrannt riecht... Und dann heißt es schnell sein! Denn dann kokelt mal wieder ein lieber Nachbar mit Olivenzweigen rum, die er in seinem Garten verbrennt... Ein unfassbar ekeliger Gestank, der an verbranntes Plastik erinnert. Und je nachdem, wie nah dran das Feuer ist, zieht der Rauch schön in alle Räume und man hat stundenlang was davon. Also hektisch alle Decken und Kissen zusammenraffen, ab ins Haus und schnell noch einen Kontrollgang, ob auch ja alle Fenser zu sind und keine Wäsche draussen steht... Und das im Moment fast täglich... Grrrrr!

 

 

 

Da wir alle es inzwischen in unseren Häuser-Gefängnissen (seit 4 Monaten eingesperrt!) nicht mehr aushalten und das Wetter uns zum Teil Temperaturen von bis zu 16 Grad und strahlender Sonne beschert, treffe ich mich jetzt ein mal pro Woche mit meinen beiden Freundinnen zum Frühstücken (mit viiiiel Abstand und weit offenen Fenstern) und Lutz lädt an einem Wochenende 3 Freunde ein, für die ich die ganze Woche lang Tapas koche - herrlich!

 

Außerdem gucke ich mir grade jede Woche ein Kollegenkind an und teste; für mich auch mal eine schöne Abwechslung, da ich hier ja nicht offiziell abreiten darf und diesen Dienst gegen eine Spende an Ärzte ohne Grenzen verrichte.

 

 

 

Mit diesen kleinen Highlights ist es dann leider ganz schnell wieder vorbei, denn die Corona-Zahlen gehen wieder hoch und am greicheischen Weiberfastnachts-Donnerstag (an dem ich als alte Kölnerin mal wieder lecker Reibekuchen mache) beschliesst die Regierung einen noch schärferen lockdown als bisher: Die einzigen Gründe, um das Haus verlassen zu dürfen (Einkaufen und 1 Stunde spazieren gehen) werden auch noch mal einschränkt: Man darf sich jetzt überhaupt nur noch in einem Umkreis von 2 km bewegen, egal, ob zum Supermarkt oder zur sportlichen Ertüchtigung. Da wir aber weit weg von allen Anderen leben, bleiben wir also wieder schön brav für uns und ich sehe meine beiden Freundinnen nur noch per skype und ansonsten niemanden außer Lutz...

 

 

 

Wir halten uns also schön an die Vorschriften, sitzen wenn es geht auf der Sonnenterrasse und gucken abends netflix. Till hat uns eine tolle Serien empfohlen, der wir grade jeden Abend entgegenfiebern: FARGO. Erinnert an Pulp Fiction und sorgt bei uns für viele Lacher. Sport mache ich nach wie vor zu Hause vor dem PC mit online-Kursen und Pulsuhr. Geht alles irgendwie und wir versuchen, das Beste draus zu machen...

 

 

 

Sehr blöd war, dass eine meiner Freundinnen genau an dem Wochenende nach den neuen lockdown-Bestimmungen Geburtstag hatte. Und ich hatte sogar ein Geschenk für sie (das jetzt hier rumliegt), obwohl alle Geschäfte seit vier Monaten geschlossen sind: Ein paar selbstgestrickte Socken!

 

Aber gut; die kann sie auch nächstes Jahr noch tragen!

 

 

Übrigens

 

Man wundert sich, dass trotz lockdown seit 4 Monaten die Zahlen steigen und steigen und steigen...

 

In Thessaloniki wurde inzwischen ein ganzer Stadtteil abgeriegelt, weil dort die neue Corona-Mutation tobt!

 

Und interessanterweise wurde ein paar Tage später die Schule für einen Tag geschlossen und desinfiziert, weil zwei Putzfrauen eine Woche nach der Sperrung in der Schule waren, die an dieser Mutation erkrankt waren und aus diesem Stadtteil kamen...

 

Häh?! Ist da nicht alles abgesperrt? Nein, nein! Weit gefehlt! Man hat nämlich dummerweise nur die Hauptstrassen gesperrt und die Bevölkerung ist dann eben auf Schleichwegen zur Arbeit gefahren... Oh Mann!!!!!!!!!!

 

 

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