· 

April in Thessaloniki - Ende in Sicht

So Ihr Lieben, der April ist rum und ich will Euch mal wieder einen kleinen Rückblick geben:

 

6 Monate lockdown haben wir jetzt hinter uns, in dem alles außer Supermärkten geschlossen war und wir Ausgangssperre und absolutes Kontaktverbot hatten, aber es sind Lockerungen angesagt und am 15.05. soll alles wieder öffnen und man soll sich auch wieder frei bewegen dürfen, denn dann beginnt die Touristensaison.

Die Zahlen haben im April noch mal einen Höchstwert erreicht und wir haben es auf eine Inzidenz von über 200 geschafft und trotzdem fängt der Staat an, alles zu lockern und leider auch die Schulen wieder zu öffnen. Schließlich hat man sich auf ein schrittweises Vorgehen geeinigt und das Ziel ist es ja, am 15.05. wieder zur Normalität zurück zukehren, also muss man jetzt schon mal anfangen, egal wie vernünftig oder unvernünftig das ist.


Mitte April verkündet die Regierung also, dass man sich wieder außerhalb des bisher geltenden 2 km Radius bewegen darf, aber immer noch im Stadtbezirk bleiben muss - Reisen sind nach wie vor verboten - für uns eine tolle Nachricht, denn so können wir endlich mal wieder unsere Freunde besuchen, die eine halbe Stunde entfernt in der Nähe der Schule wohnen und planen direkt einen schönen Grillnachmittag im Garten..

Einen Tag später dann die Ernüchterung: Die neuen Regeln gelten für ganz Griechenland, nur nicht für die Stadt und den Bezirk Thessaloniki...! Hier sind die Zahlen so hoch, dass wir weiter zu Hause bleiben müssen... So ein Sch...!


Die Cafes in der Innenstadt öffnen einfach trotzdem und verkaufen "Coffee to go", was aber dann so aussieht, dass sich Trauben von Kunden einfach vor dem Cafe treffen - die jungen Leute wollen sich nicht länger einsperren lassen und treffen sich in 50-100 Mann starken Horden einfach trotzdem. Die Polizei ist hilflos, fährt mit ihren Streifenwagen an den riesigen Gruppen vorbei und fordert auf, sich zu zerstreuen, was aber keiner tut... und dabei bleibt es dann. Immerhin erhalten manche Cafe-Besitzer, die auch ihren Innebereich öffnen hohe Strafen...


Aber natürlich auch nicht alle! Denn genau wie bei den Cafes gibt es erstaunlicherweise Geschäfte, deren Türen während des gesamten lockdowns sperrangelweit aufstehen, obwohl doch alle geschlossen haben müssten? Auf Nachfragen einer Freundin, die von ihrem Blumenhändler freudig hereingewunken wurde, ob das denn wieder erlaubt sei, meint dieser nur: "Nein, aber die Polizei ist mein bester Freund! haha!"... Und wieviel dieser Freund zugesteckt bekommt, wenn er ein Auge zudrückt, ist sicherleich unterschiedlich. Das Casino, das während des lockdowns jedes Wochenende voll besetzt war, musste da vermutlich ein bisschen tiefer in die Tasche greifen...


Noch einen Tag später streicht die Regierung die Flügel und erlaubt auch für Thessaloniki die Lockerungen, die schon für das ganze Land gelten; jetzt stehen die Jugendlichen also nicht mehr illegal vor den Cafes herum und wir bekommen offiziell unseren Grillnachmittag, was für alle Balsam für die Seele ist - endlich endlich wieder Freunde treffen dürfen!!!

 

Nach einem halben Jahr Einsiedlertum und auf sich selbst zurückgeworfen Sein gibt es inzwischen kaum noch Gedanken, die ich noch nicht gedacht habe. Durch das Treffen mit unseren Freunden wird mir aber erst wieder bewußt, in was für einem komischen Zustand aus extremer Nähe (mit Lutz) und viel zu wenig Nähe (mit Freunden) wir in diesem unwirklichen Alltag irgendwie dahingeplätschert sind. Wir haben fast schon verlernt, uns zu unterhalten, denn das Thema Corona ist das einzige Thema, über das man wirklich viel zu erzählen hätte, aber das zieht einen nur runter. Also spricht man lieber wenig. Und beim Grillen merken wir dann alle, wie wir die steifen Muskeln des Denk- und Sprechapperates mal wieder strecken und dehnen und vorsichtig einen Schritt nach dem anderen machen - In einer größeren Runde und nicht nur zu Zweit zu sprechen fühlt sich tatsächlich erst mal komisch an... Aber das verlernt man genau so wenig wie das Fahrrad fahren - sehr beruhigend! 

Ich bin so bereit für die Rückkehr zur Normalität! Jetzt brauchen wir alle nur noch eine Impfung, denn solange keiner von uns geimpft ist, trauen wir uns auch nicht ins Leben zurück, denn das könnte ja durchaus schlecht versorgt in einem Intensivbett auf einem griechischen Krankenhausflur enden... Besser nicht über den Krankenhaus-Notstand hier nachdenken und darüber, was passiert, wenn...


Das Licht am Ende des Tunnels leuchtet immerhin schon klar und deutlich und im Sommer haben wir ganz bestimmt unser normales Leben wieder! ...

 

Übrigens

Auf dem Rückweg nach Hause fahren wir wieder mal an einem Straßenhund vorbei der versucht, unser Auto zu attackieren und da fällt mir ein, dass ich gelesen habe, dass die Regierung in Zusammenarbeit mit einem Tierschutzverein ein neues Gesetz wegen der Straßenhunde erlassen hat. Gut! Na endlich! habe ich gedacht. Wurde auch Zeit! Denn immer noch kann man hier am Strand nicht entlangspazieren oder Fahrrad fahren, ohne das Risiko einzugehen, von einem der 7 riesigen Straßenhunde bedroht zu werden, die ungefähr in der Mitte der Küste als Rudel leben und jeder, der sich ihrem Revier nähert, tut das nur, wenn er einen großen Stock dabei hat, denn letztes Jahr hat ein Jogger im Wald seine Begegnung mit genau so einem Rudel wilder Hunde nicht überlebt - er wurde zerfleischt...

Ich bin also sehr gespannt, was die Regierung sich zum Schutz ihrer Bürger überlegt hat und falle fast vom Hocker, als ich weiter lese:

Die Regierung hat tatsächlich ein neues Straßenhunde-Gesetz erlassen, das ausdrücklich verbietet Straßenhunde zu quälen und hohe Strafen für diejenigen verhängt, die das trotzdem tun! ... ... ...

Häää???????????!!!

Du möchtest noch mehr Geschichten aus Griechenland lesen? Klick hier!

Du möchtest alle meine Artikel lesen? Klick hier!