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Juni in Thessaloniki - Ab in den Ofen

So Ihr Lieben, der Juni ist rum und hier kommen meine kleinen alltäglichen Geschichten aus dem Alltag in Thessaloniki:

 

Das wichtigste Ereignis im Juni ist für uns und alle unsere Freunde die zweite Corona-Impfung und schön nach Lehrbuch liegen wir alle am nächsten Tag komplett flach mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Ich fühle mich, als wäre mein Körper dabei, 3 Millionen Antikörper zu bilden. Und diesmal nicht nur im Arm, sondern bis in den letzten Winkel - Mir tun sogar die Augäpfel weh... Also einfach den Tag verschlafen und immer wieder mal Paracetamol einwerfen, denn man weiß ja zum Glück, dass das nur einen Tag dauert und prompt stehen wir am 2. Tag tatsächlich auch alle wieder von den Toten auf, als wäre nichts gewesen. Braver Körper!

 

Bis Mitte Juni ist das Wetter so wie zur Regenzeit in Mexiko: Es ist angenehme 25 Grad und einmal am Tag zieht es sich zu und wir haben ein heftiges Wärmegewitter mit viel Blitz und Donner und Krach und Kawumm. Dann steigen die Temperaturen für ein paar Tage auf 30 Grad an, sodass ich wieder mein Lüftungskonzept durchziehe und verschiedene Türen zu verschiedenen Uhrzeiten auf und zu mache. Und in der letzten Juni Woche haben wir von heute auf morgen fast 40 Grad und auch nachts kühlt es sich nicht mehr ab und bleibt schön bei 30 Grad, sodass alles Lüften gar nichts hilft und ich endlich zur echten Griechin werde: Rolladen zu! Und zwar den ganzen Tag! Und im Zimmer Ventilator an. Man sitzt dann zwar im Dunkeln, aber die Hitze hat keine Chance, sich überall festzusetzen. Gestern haben wir die Dummheit begangen, am frühen Nachmittag am Strand essen  zu wollen, weil wir dachten, dort weht ja ein bisschen Wind... Puh! Wir waren einfach nur froh, als wir wieder zu Hause waren, denn die Sonne hat so gebrannt, dass ich spontan genau wusste, wie sich ein Grillhähnchen am Spieß fühlt  - so richtig schön knusprig die Haut - und unser Platz im Schatten fühlte sich dank des heißen Windes an wie im Umluftherd... Also: Auch was das angeht werden wir immer mehr zu Griechen: Raus erst nach 19.00!

 

Und auch den Tieren ist es zu warm: Seit ein paar Tagen haben wir auch noch Vollmond und alle Hunde im Tal machen die Nacht zum Tag und bellen, jaulen und kläffen die ganze Nacht. So ein Konzert habe ich bisher nur in Tierheimen erlebt und natürlich kann man es auch Bruno, unserem Nachbarhund nicht verdenken, dass er ebenfalls mit seinem vollen weitklingenden Stimmchen dazu beitragen will (Lest doch auch mal >Bruno und die Bremer Stadtmusikanten). Immerhin lässt Apo, unser Nachbar den armen Bruno inzwischen nachts frei herumlaufen, nachdem ich ihn ein paar Mal freundlich darauf hingewiesen habe, dass es nicht ok ist, den Hund genau unter unserem Schlafzimmerfenster anzuketten und dort die ganze Nacht bellen zu lassen. Jetzt verteilt Bruno sein Bellen schön auf dem ganzen Grundstück und sitzt nur noch ausnahmsweise mal unter unseren Fenster und mit Apo winken wir uns freundlich über den Gartenzaun zu, wenn wir uns sehen.


Seit ein paar Wochen ist allerdings zum  dem nächtlichen Hundegebell noch einem seltsames Wummern dazu gekommen, das meistens so gegen 4.00 morgens einsetzt und dann über Stunden anhält... Es hört sich an wie fernes Feuerwerk oder ferne Schüsse oder als würde Jemand eine Tür zuschlagen. Wir rätseln immer noch, was das sein könnte und haben noch keine gute Erklärung gefunden, denn es ertönt auch tagsüber und nicht wirklich regelmäßig. Mal im Minutentakt, mal eine Stunde gar nicht. 

Unsere Top 3 zur Zeit sind: Schüsse auf dem 15 km entfernten Truppenübungsplatz (Aber warum sollten die so unregelmäßig üben?), Schüsse auf den Feldern (Gibt es hier eigentlich Kaninchen? Und warum sollten die Jäger nachts auf die Jagd gehen?) und Dynamitfischen auf der anderen Seite der Bucht (Bei der Häufigkeit und so lange, wie das jetzt schon dauert müsste die Bucht aber langsam leer gefischt sein)... na mal sehen, ob sich das irgendwann aufklärt; es ist jedenfalls ein "Land-Phänomen"; unsere Freunde in der Stadt kriegen davon nichts mit. Am Ende ist es wahrscheinlich irgendeine dämliche Maschine, die sich irgendein Nachbar angeschafft hat, dem der Schlaf anderer Leute egal ist... Vielleicht versucht jemand hier heimlich nach Öl zu bohren?! Wummm... Wummm... Wummm...

 

Was gab es noch? Ach ja: Wir hatten für ein paar Wochen Bienenbesuch. Die Freundin einer Freundin hat ein paar Bienenvölker, die sie irgendwo zwischenlagern musste und da unser Olivenhain riesengroß ist, haben wir den lieben Bienen Unterschlupf geboten. Dabei habe ich von der Imkerin gelernt, dass Bienen sich nicht an ihren Imker gewöhnen, sondern jeden stechen, der dem Stock zu nahe kommt. Schließlich will ja auch der Imker ihnen nur den Lohn ihrer fleissigen Arbeit stehlen und das lassen sie nicht kampflos zu. Das Schöne an der Bienensache war, dass wir dabei entdeckt haben, dass wir eine riesige 40 cm große Schildkröte im Garten wohnen haben, zu der sich dann auch noch eine kleinere gesellt hat. Sehr nett! Diese Schildkröten leben hier nämlich wild und bisher sind wir ihnen nur begegnet, wenn sie versucht haben, die Straße zu überqueren... Anstatt wegzulaufen, wenn ein Auto kommt, tun Schildkröten das, was Schildkröten nun mal so tun: Sie ziehen Kopf und Beine ein und warten bis die Gefahr vorbei ist... Ziemlich dämlich, wenn sie sich grade mitten auf der Straße befinden, aber zum Glück habe ich noch keine überfahrene Schildkröte gesehen und auch wir steigen immer brav aus, wenn wir so ein Verkehrshindernis vor  uns haben und tragen es schön ins Gebüsch...

Wer nicht so ein Glück hat, sind die heimischen Schlangen, von denen man öfter mal eine zerquetscht auf der Straße findet...

Da haben unsere Schlangen es schon besser! Da wir einen der wenigen Gärten haben, die jede Nacht aufwändig von einer Sprenkelanlage gewässert werden, haben wir wohl auch massenhaft Regenwürmer. Und die sind die absolute Leib- und Magenspeise unserer inzwischen 3 Scheltopusiks, der größten Schleichenart, die friedlich bei uns im Olivenhain leben und in der Mittagszeit zum Regenwürmer-Fressen auf der Wiese rumkriechen. Vom Balkon aus ist das ein schönes Schauspiel - näher kommt man ihnen leider nicht, da sie blitzschnell verschwinden, wenn sie einen Menschen sehen...

Was wir in diesem Jahr auch zum ersten Mal haben, ist ein riesiger Schwarm von Schwalben, die einem mit ihren Flugkunststücken fast einem Scheitel ziehen, wenn man ahnungslos auf der Dachterrasse sitzt. Und noch ein paar andere Vögel haben sich hier aufs Land verirrt: Seit Neustem hört man es immer mal wieder krächzen und sieht ein paar grüne Papageien von Dach zu Dach fliegen... In Thessaloniki gibt es wohl ganze Horden davon und ein paar davon haben offensichtlich beschlossen, lieber auf dem Land zu wohnen... Und apropos Tiere: Wir hatten eine Woche lang eine Marienkäfer-Invasion! Ich war völlig platt, dass es diese netten kleinen Tierchen auch hier gibt und noch platter, als sie auch noch in Horden sogar am Strand rumgeflogen sind...

 

Seit Wochen steht der Abschied von Kollegen an, die jetzt im Sommer zurück nach Deutschland gehen und da wir ja auch nächstes Jahr gehen werden, fange ich tatsächlich langsam an, Dinge auszusortieren, die wir Anfang Juli schon mal mit nach Deutschland nehmen werden, weil wir sie hier doch nicht brauchen und so der Umzug nächstes Jahr billiger wird. Ansonsten haben wir eine sehr schöne Sache begonnen; wir machen nämlich Spieleabende mit unseren Jungs über  tabletop und discord und geniessen es sehr, uns einmal die Woche zusammenzusetzen. Da ich normalerweise kein Computer-Spieler bin, ist das für mich eine völlig neue und interessante Erfahrung und ich bin erstaunt, dass es sich tatsächlich fast so anfühlt, als würde man in echt zusammensitzen. Tolle Sache!

 

Ach ja: Und dann habe ich noch ein neues "Hobby": Smoothies!  Seit es wärmer geworden ist, ist das eine wunderbare Möglichkeit, gleichzeitig etwas zu essen und etwas Kühles zu trinken. Und obwohl ich überhaupt kein Freund von komischen grünen Getränken mit flüssigem Spinat oder Sellerie bin ...Bäääähhh!... hat es mir tatsächlich ein grüner Smoothie besonders angetan: 1/2 Salatgurke, 1/2 Dose Cocosmilch, Zitronensaft, Honig und frische Pfefferminzblätter... Göttlich! Die Gurken sind übrigens auch noch für was Anderes gut: Die Luft ist nämlich grade so trocken, dass meine Augen tatgsüber brennen und ich immer unschärfer sehe und ich habe im Internet herausgefunden, dass man anstelle von teuren Augentropfen auch ein einfaches altes Hausmittel benutzen kann, das wirklich suoer hilft: Abends vor dem Einschlafen einfach für mindestens 20 Minuten Gurkenscheiben auf die Augen legen - Et voila: Jung, schön und gute Augen!

 

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