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Zurück aus der Heimat

Guten Morgen Ihr Lieben,

 

nachdem vor allem die Jungs und ich wochenlang unterwegs waren, ist es aber jetzt aber auch echt schön, wieder zu Hause zu sein. Wir waren 3 ½ Wochen in Deutschland, was sehr sehr schön war, gefüllt mit vielen Treffen mit netten Leuten, Einkaufsbummeln, leckerem deutschen Essen und was man so in der Ferne sonst noch so vermisst. Es ist schon witzig, mit einem Jahr Abstand nach Hause zu kommen und mal zu sehen, was einem alles so auffällt:

 

Wie unglaublich grün es in Deutschland ist! Ja klar, der Preis ist, dass es bei uns eben das ganze Jahr über viel mehr regnet als hier, aber trotzdem! Man kann sich, wenn man so in Urlaub in einem der warmen trockenen Länder ist, gar nicht vorstellen, wie sehr man grüne Bäume vermisst und wie schön es ist, dieses viele Grün zu haben und diese Frische in der Luft. Ich bin jedenfalls trotz Dauerregen, den wir leider hatten, schön im Regen spazieren gegangen und habe es genossen!

Das ist übrigens etwas, was ich hier vermisse: Spazieren gehen. Hier geht man vielleicht in einen Park, um Sport zu machen (was ich jetzt mit einer Freundin hier angefangen habe) oder man fährt am Wochenende in die Stadt und flaniert (was Lutz und ich oft machen) oder was die reichen Mexikaner gerne machen: Man geht Sonntags mit der ganzen Familie ins Einkauszentrum, bummelt an den geschlossenen Läden vorbei und geht dort essen...

Aber spazieren gehen wie bei uns, mal aus dem Haus und eine Runde drehen, das geht hier nicht. Das hieße dann an der Hauptverkehrstrasse mit vielen Autos an hässlichen Gebäuden entlang marschieren...

 

Das nächste, was ich sehr genossen habe (ganz das Klischee) ist wirklich unser Brot. Das hätte ich nie gedacht, weil ich gar nicht so ein Brot-Fan bin. Wie meine Oma immer so schön gesagt hat: „In der allergrößten Not schmeckt die Wurst auch ohne Brot!“...  Aber wenn man jeden Tag nur Toastbrot hat, fehlt es einem doch sehr. Und unser Käse! Genießt es, kann ich nur sagen!

 

Ach, und womit ich so gar nicht gerechnet hatte, ist wie billig bei uns alles ist!

Ihr hört richtig! Ich habe mir hier schon angewöhnt, keinerlei Dekoartikel zu kaufen und auch sonst nichts, was man sich schon mal so gönnt, weil mir das alles zu teuer ist und musste mich sehr am Riemen reißen, in Deutschland nicht die Läden leer zu kaufen! Ja, wie machen das denn dann die Mexikaner, werdet Ihr Euch fragen? Ganz einfach: Die armen Mexikaner kaufen keine Deko, Tischdecken, Vorhänge, Blumenvasen, sondern nur das nötigste an Geschirr, Möbeln und Klamotten... weil sie kaum genug Geld haben, um etwas zu Essen auf den Tisch zu bringen...

Und die Reichen haben so viel Geld, dass es völlig egal ist, was es kostet. Also Deutschland –Einkaufsparadies!!! Das war mir so nicht klar und ich werde mich in Zukunft noch mehr freuen, wenn ich in Deutschland mal wieder was Schönes für wenig Geld gekauft habe.

 

Was mir in Deutschland nicht gefallen hat, war wie unfreundlich so manche Verkäuferin ist und dass die Bettelei so sehr zugenommen hat. Nach einem Jahr Dienstleistungsparadies Mexiko (im Restaurant sind gleich drei Kellner für Deinen Tisch zuständig, an der Tankstelle gibt es selbstverständlich Tankwarte, die für dich tanken, auf dem Parkplatz Wächter, die Dich in die Parklücke winken und im Supermarkt Einpacker) ist man überrascht, dass man als Kunde auf einmal nicht mehr König ist, sondern Bittsteller...

Und als ich beim Einkaufen zum ersten Mal von einem kräftigen arbeitsfähigen Mann mittleren Alters angesprochen wurde, ob ich mal einen Euro für ihn hätte, war mein erster Gedanke: „Häää?!?!?! WAS will der von mir? Ich soll ihm Geld SCHENKEN, ohne dass er was dafür macht? Warum???!!!“ In Mexiko gibt es so gut wie keine Bettler. Außer in den großen Städten auf den Marktplätzen, wo sich die Touristen tummeln wird man überhaupt nie angebettelt. Zwar versucht Dir jeder an jeder Ecke eine Dienstleistung zu verkaufen, aber jeder will für das Geld arbeiten. Niemand käme hier auf die Idee, fürs Nichtstun Geld haben zu wollen! Und über die Geschäftstüchtigkeit muss man dann schon mal schmunzeln: Als ich mit meiner Freundin letzte Woche zum Park gefahren bin, um eine Runde zu walken, stand direkt am Eingang auf dem Parkplatz natürlich ein Marktstand, der alles verkauft, was man zum Sport machen vielleicht brauchen könnte: Von Turnschuhen über Sportbekleidung für alle möglichen Sportarten, die man vielleicht gerade im Begriff ist auszuüben bis hin zu Erfrischungsgetränken. Netter Service – schlaue Idee!

 

Ansonsten war das Nach-Hause-Kommen hier dann auch ein normales nach Hause kommen: Man wäscht die Urlaubsklamotten, füllt den Kühlschrank auf und telefoniert rum, wer denn auch schon aus dem Urlaub zurück ist. Da ich noch gut weiß, wie stressig das Ankommen letztes Jahr war, wo alles noch so neu war, habe ich nun gut den Vergleich. Was sehr schade ist, ist dass die deutschen Freunde, die hier im Fraccio gelebt haben, zu denen wir einen sehr herzlichen Kontakt hatten und die uns so geholfen haben, uns hier einzuleben, wieder zurück nach Deutschland gegangen sind und man nicht mehr eben rübergehen kann zum quatschen...

Jetzt kümmern wir uns wiederum um eine Lehrerin, die seit ein paar Wochen neu hier ist und zeigen ihr, wo sie was besorgen kann (vom Bügeleisen bis zu Möbeln). Zwei deutsche Familien, mit denen wir lose zu tun hatten, gehen jetzt auch zurück nach Deutschland und dadurch ist mir erst bewusst geworden, was die Kinder und Jugendlichen, die hier leben und diese Schule besuchen so mitmachen: Dauernd kommen und gehen gute FreundInnen und sind dann für immer weg… Die beiden netten deutschen Frauen, mit denen ich mich so treffe, bleiben zum Glück noch genau so lange wie wir, aber meine netteste Kollegin geht auch schon nächsten März zurück. Dafür war ich aber direkt nach drei Tagen auf den Geburtstag einer Mutter eines Freundes der Jungs eingeladen und konnte dort schön mein Spanisch üben: Nach einem Jahr konnte ich mich mit meiner Sitznachbarin rechts super über alles Mögliche unterhalten, die Dame links von mir, die unglaublich schnell sprach, habe ich ich dafür aber überhaupt nicht verstanden.

 

Ab nächste Woche gehe ich Freitags in einen Spanisch-Konversationskurs, da kann ich wieder fleißig üben. Und ich habe Geduld mit mir; immerhin spreche ich gut genug, um überall in Geschäften usw. zurecht zukommen - das reicht erst mal!

 

Auf die Schule freue ich mich jetzt auch wieder. Mein Ziel ist es, nicht mehr so viele Überstunden zu machen, sondern an meinen freien Tagen auch wirklich privat was zu unternehmen und nicht zu Hause zu sitzen und Berichte zu schreiben. Außerdem hat mich schon eine echt mexikanische Gelassenheit ergriffen: Meinen Kurs für Kinder, die schlau sind, aber nicht die entsprechenden Leistungen bringen, den ich seit Ostern anbiete und nach den Ferien weiterführen wollte, werde ich erst im Oktober wieder starten, da ich in den Ferien noch kein Konzept für die Stunden ausgearbeitet habe. Getreu meinem Vorsatz habe ich in den Ferien nicht gearbeitet, sondern werde das schön in der Schulzeit ausarbeiten. Und das braucht eben ein bisschen Zeit! Außerdem werde ich nur noch Veranstaltungen anbieten, wenn jemand anderes sich um die Organisation kümmert! Mal sehen, wie das klappt und welche großen und kleinen Überraschungen so auf mich warten, wenn ich nächste Woche in die Schule komme. Meine Kollegin hat mich schon vorgewarnt, dass man ihr vor den Ferien verkündet hat, dass alle vier Psychologen der Schule künftig in einem Raum arbeiten sollen. Man stelle sich vor: Elterngespräche, Tests und Kurse von vier Leuten im Großraumbüro – hahaha!... Das geht natürlich nicht.

Aber noch glaube ich das ja nicht und gucke mir das nächste Woche in Ruhe an... Mexikanische Gelassenheit eben!

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