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Autos reparieren und Führerschein auf mexikanisch

 

 

Unser Auto ist leider immer noch nicht ganz – trotz etlicher Reparaturen! Es lässt uns schön auf jedem Parkplatz stundenlang stehen, bis es mit vielen Fehlzündungen mal angeht und dann geht es am liebsten mitten auf der Kreuzung der sechsspurigen Hauptstraße wieder aus; genau in dem Moment in dem man abbiegen will und quer auf der Kreuzung steht! Bei den Fehlzündungen zuckt immer der halbe Parkplatz zusammen und geht in Deckung – hört sich nämlich sehr originalgetreu nach einer mächtigen Schießerei an!

      

Inzwischen hat man mir auch erklärt, was das Problem mit den Autoreparaturen hier ist: 

Der Mechaniker ersetzt nämlich immer nur ein Teil und geht dabei nicht analytisch alle Fehlerquellen durch, sondern überlegt sich, was wohl kaputt sein könnte und probiert das dann aus.

 

Das heißt bei uns, zuerst hat der Mechaniker sich überlegt, dass es sicherlich am Zündverteiler liegt, hat das Teil aus Mexico City kommen lassen und es ausgetauscht. Dann wurden wir zur Werkstatt bestellt, haben das Auto mitgenommen und leider schon am nächsten Tag gemerkt, dass es daran nicht gelegen haben kann, weil es immer noch nicht funktionierte...

Also wieder mit dem Auto zur Werkstatt (zwischendurch natürlich zig mal Motor tot) und mit dem Taxi nach Hause. Fünf Tage später bekommen wir einen Anruf, er weiß jetzt was es ist... (habs schon vergessen) jedenfalls, wieder ein Teil bestellt, wieder drei Tage warten, wieder das Auto abholen, wieder merken, es ist genau so, wie vorher, wieder das Auto in die Werkstatt ... Dann haben wir den Mechaniker gewechselt... Der Nächste hat natürlich auch wieder ein Teil ausgebaut, wieder nach fünf Tagen das Auto holen, wieder alles beim Alten und wieder das Auto in die Werkstatt... 

Ahhh, aber jetzt weiß er ganz bestimmt, was es ist: 

Das Relais, das die Benzinzufuhr regelt ! ...

 

"Soll ich es in Mexiko City bestellen, senor?"

 

"Ja bitte! "...

 

Lutz fährt also letzte Woche wieder mit dem Taxi zur Werkstatt und will das reparierte Auto holen. Der Mechaniker zeigt Lutz ganz stolz, was er ausgetauscht hat und kommt dabei mit seinem Schraubenzieher an ein paar Kabel – und schwupps – ist der Motor wieder aus!...

 

"Oh Senor, das ist aber seltsam, dann scheinen es ja doch diese Stromkabel zu sein? Soll ich sie auch noch austauschen?"

 

"Ja bitte!"

 

Lutz fährt also wieder mit dem Taxi nach Hause...

 

Um dann vorgestern wieder mit dem Taxi zur Werkstatt zu fahren...

 

Die Kabel sind jetzt ausgetauscht und das Auto springt problemlos an – immerhin!

 

"Aber können wir bitte vorsichtshalber eine Probefahrt machen?"

 

"Natürlich, senor!"

 

"Wieso ruckelt das Auto denn immer noch so beim Gasgeben?"

 

"Ahhh, senor, DAS muss dann wohl die Benzinpumpe sein ..."

 

"Soll ich sie austauschen?"

 

"Jaaa biiittte! DAS ist unser einziges Auto und wir sind darauf angewiesen und werden langsam wahnsinnig!" ...

 

Und das meine Lieben ist unser momentaner Stand und ihr fragt Euch natürlich: Warum verkaufen wir die Kiste nicht endlich? Ganz einfach: Um sie verkaufen zu können, muss sie ja wenigstens ANSPRINGEN! Also haben wir weiter Geduld und sehen uns schon mal vorsichtshalber nach einem anderen Auto um. Bisher haben wir ja das Glück, dass wir immer auch mit unserem Nachbarn, Lutz Kollegen fahren können und der ist noch ein ganzes Jahr in Mexiko!

Also nur mit der Ruhe!

 

Zwei Wochen später

 

Jippiiee! Wir haben endlich ein anderes Auto: Einen drei Jahre alten sehr zuverlässigen VW-Jetta. Jetzt fahre auch ich endlich in der Gegend rum und bald auch Till. 

 

Er hat vor zwei Wochen seinen Führerschein gemacht (hier mit 16 erlaubt) und das Ganze hat genau eine halbe Stunde gedauert:

Wir sind zu so einem Amt gefahren, wo er einen kurzen Sehtest gemacht hat. 

Dann musste er noch an einem Computer mithilfe eines mitgebrachten Freundes (zum Übersetzen) 20 Multiple-Choice-Fragen beantworten, von denen er 8 richtig haben musste. Ob der Freund nur übersetzt oder auch die richtige Antwort dazu sagt, interessierte natürlich Keinen. Dann bezahlt man 30 Euro, die Eltern unterschreiben, dass sie für jeglichen Schaden, den der Sohn verursacht aufkommen und man fährt ohne jemals eine Fahrstunde gehabt zu haben nach Hause...

Bestanden!!!

Jetzt müssen wir ihm „nur noch“ das eigentliche Autofahren beibringen!...

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