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Sonne im Dezember

Es ist Sonntagmittag, ich sitze im Garten in der Sonne und habe die Terrassentüre weit offen. Und das am 04. Dezember! Super! So hatte ich mir Mexiko vorgestellt. Endlich ist es wieder wärmer morgens. Das klingt vielleicht für deutsche Winterverhältnisse ironisch, aber Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie kalt es in einem Haus wird, wenn man keine Heizung hat, die Fenster und Türen keine Nut und Feder und 3 mm große Ritzen mit freiem Blick nach draußen haben und es nachts auf 0 bis 4 Grad runter geht...

Wir haben jetzt schon Teppiche gekauft, die wir nachts vor die Fenster hängen (normale Vorhänge sind zu dünn) und schlafen alle in dicken Pullovern. Natürlich gibt es hier Radiatoren und Heizgebläse zu kaufen, da die Räume aber sowieso nicht warm zu kriegen sind, ist das die pure Energieverschwendung.

 

Von meinen mexikanischen Kolleginnen habe ich jetzt einen guten Tipp bekommen: In der Küche haben wir einen Gasbackofen, der auf Augenhöhe ist. Sie machen sich morgens immer ihren Backofen an, lassen die Türe auf und in einer viertel Stunde ist ihre Küche warm. Und wenn das noch nicht reicht, macht man eben auch noch die vier Flammen des Gasherdes an. Das macht wirklich Sinn, dann hat man morgens einen Raum, in dem man sich anziehen und frühstücken kann. Für das Bad habe ich uns außerdem jetzt doch so ein Gebläse geleistet, das dann eben mal eine viertel Stunde läuft...

Morgens gehen also alle mit dicken Jacken aus dem Haus und die ersten 2-3 Stunden in der Schule sind schon heftig kalt und keiner zieht seine Jacke aus. Im Laufe des Tages schält man sich dann so nach und nach aus seiner Jacke, dem dickem Pullover, bis man nur noch im T-Shirt da sitzt und wenn wir nachmittags / abends unterwegs sind, lege ich mir all die Klamotten wieder ins Auto, um sie dann nach und nach wieder anzuziehen. 

Ich hab mir jedenfalls über ebay erst mal ein Riesenpacket Tesamoll bestellt, das der nächste Besuch dann aus Deutschland mitbringen muss...

 

Gestern habe ich einen Stollen gebacken. Die gibt es hier zwar in bestimmten Geschäften auch zu kaufen, kosten aber dann zwischen 10 und 15 Euro. Klar, das ist ja auch nichts Mexikanisches. Auf dem Weihnachtsmarkt der Schule habe ich einen Adventskranz und einen Aldi-Schokoladen-Adventskalender (aus Deutschland importiert) ergattert. So herrscht auch bei 25 Grad wenigstens ein bisschen Weihnachtsstimmung. Ansonsten ist die Adventszeit hier sehr amerikanisch mit viiiiel Glitzer, buntem Zeugs und blinkenden Lichterketten (grusel). Ich bin absolut nicht in Versuchung gekommen, irgendwas von dem Zeug zu kaufen, lediglich eine Girlande mit normaler Lichterkette und ein paar Nikolaus-Strümpfe... In denen waren aber dann keine Süßigkeiten, sondern... Deutsche Remoulade und Curry-Gewürzketchup!... 

Die habe ich hier in einem deutschen Laden gefunden!!!

Was toll ist, ist das die Weihnachtssterne (Pflanzen) hier nicht wie bei uns kleine Topfpflanzen bleiben, sondern knapp 2 m hoch werden. Und eine Sitte, die ich total schön hier finde, ist die „posada“: In der Adventszeit ist es den Mexikanern wichtig, an die Reise von Maria und Josef nach Bethlehem zu erinnern, deshalb laden die Familien (manche jeden Abend) gegenseitig zu sich nach Hause ein und gewähren sich symbolisch Obdach. Die Schule organisiert für die Lehrer eine posada am vorletzten Schultag. Da zieht man einen ganzen Nachmittag bis abends von Tür zu Tür bei Kollegen, die vorher dazu eingeladen haben.

 

Da fliegt gerade ein Riesen-Zitronenfalter um mich herum... Hier im Garten fühle ich mich immer, als säße ich in einem Ferienhaus in Südfrankreich. Ich sitze im Schatten eines großen Eukalyptus-Baumes und von nebenan weht gerade ein feiner Knoblauchgeruch der Pizzeria herüber, die hinter unserer Mauer ist. Allerdings ist es nicht so ruhig, wie in Südfrankreich. Irgendein Nachbar hämmert immer an irgendwas rum, hinter der Mauer hat ein Geschäft einen Generator angeschmissen, der blöde Hund am Ende der Straße bellt sich wie den ganzen Tag gerade wieder die Kehle aus dem Leib und ab und zu hört man einen LKW von der nahen Hauptstraße...

Aber – das Gehirn kann sich ja so gut anpassen! Den Generator habe ich erst wahrgenommen, als er wieder ausgegangen ist und auch den Rest blendet man auch irgendwann aus. Daran merke ich auch, dass ich hier ganz gute Nerven habe. Die Anpassungsprobleme vom Anfang sind weg; wir haben uns akklimatisiert. Seit wir ein neues Auto haben, fahre ich auch alleine in der Gegend rum; muss jetzt nur noch den mexikanischen Führerschein machen, wofür ich nur eine Kollegin finden muss, die mir die Fragen übersetzt.

 

Letzte Woche war ich mit zwei Kolleginnen das erste mal hier im Kino. Das Ganze kostet 3 € mit viel Platz und „Liegesitzen“, die sich sehr nett nach hinten kippen lassen. Der Film war auf Englisch mit spanischem Untertitel, was gut geklappt hat. Mein Spanisch wird immer besser, allerdings gibt es Leute, bei denen ich immer noch kein einziges Wort verstehe, weil sie einfach zu schnell sprechen (oder vielleicht einen Dialekt? Keine Ahnung!). Das sind vor allem Kassiererinnen, die einen hier IMMER fragen, ob man alles gefunden hat, ob man bar oder per Karte zahlen möchte, ob sie anfangen dürfen zu kassieren (man wartet hier, bis der Kunde bereit ist, um auf dem Display die Preise zu kontrollieren), ob man ... keine Ahnung was, ich verstehe es ja nicht! Na ja, ich sage dann halt, dass ich kein Spanisch verstehe und dann geht es auch so irgendwie.

 

Nur noch 2 Wochen bis zu den Ferien, ich freue mich schon darauf. Wir hatten ja keine Herbstferien und nutzen die Zeit natürlich, um zu verreisen. Diesmal geht es nach Oaxaca und noch mal an die Pazific-Küste.

 

Bis dahin!

 

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