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On the road again - Ab in den Süden Tag 2

9.20
Gut geschlafen, gut gefrühstückt, die Sonne scheint - auf gehts nach Belgrad!
Nach fünf Minuten auf der Autobahn ein dicker Auffahr-Unfall mit mehreren Autos auf der Gegenfahrbahn... zum Glück ohne verletzte Personen, aber mit einem riesigen Stau dahinter...
Das Claudi-Mojo scheint mal wieder über uns zu wachen (mojo ist ein voodoo-Amulett)... Ihr werdet es nicht glauben (Lutz tut es auch nicht, konnte mich aber bisher noch nicht widerlegen): Neun von zehn Staus sind auf der Gegenseite, wenn ich im Auto sitze!... Die Vollsperrung auf dem Hinweg hat meine Statistik ein bisschen runter gezogen, aber auch da wurden wir ja nach einer halben Stunde umgeleitet. Und auf der Gegenfahrbahn kamen uns auf der Hinfahrt anschließend unendliche Kilometer stehender Blechlawinen entgegen...
Als wir in den Osterferien von Holland nach Hause fuhren, war von Domburg bis Dortmund die Gegenfahrbahn komplett zu! Bis auf ein paar seltene Verschnaufpausen haben die armen Leute 300 km lang im Stau gestanden - grausam!... Mooooojoooo...

Heute übernachten wir ja in Belgrad in einem schönen hostel an der Donau, das an einer Fußgängerzone liegt und mein Kopf fängt schon wieder an, sich Sorgen zu machen... Im Gegensatz zu unserem Hotel von letzter Nacht hat das hostel nämlich leider keinen eigenen Parkplatz... und das bei einem Auto, das bis zum Dach mit Weihnachtsgeschenken, also Diebes-Leckereien vollgestopft ist... ein nagelneuer Saugroboter, eine Mikrowelle... seufz... Das hostel hat uns zwar einen Restaurant-Parkplatz genannt, der videoüberwacht ist - da werden wir dann parken - aber ich darf nicht wirklich drüber nachdenken... Lutz ist wie immer tiefenentspannt... ist ja notfalls alles ersetzbar... ich mache einfach heute Abend die Äuglein zu und schicke ein paar Wünsche ans Universum...

11.10
Bei Györ in Ungarn fahren wir von der Autobahn ab, um zu tanken. Leider bieten viele Tankstellen ausschließlich Diesel an, sodass wir ein bisschen über Land fahren. Wir kommen an einem McDonalds-Schild vorbei und finden schließlich eine Shell-Tankstelle, die auch ganz normales Benzin anbietet. Während Lutz bezahlt, gehe ich aufs Klo und auf dem Rückweg fallen mir zwei Flugblätter ins Auge: Auf dem einen wird ein entlaufener hübscher weißer Terrier gesucht; auf dem anderen ein entlaufener (?) verwirrt blickender, ungepflegt aussehender Mann...
Mir wird bewusst, dass es seeehr lange her ist, seit ich Fahndungsfotos von Menschen gesehen habe... Leider kann ich die Schrift nicht lesen... Ist das tatsächlich ein gesuchter Verbrecher oder ist das einfach nur der schizophrene Bruder der Bäuerin aus dem Nachbardorf, der vom spazieren gehen nicht nach Hause zurück gekommen ist?...

11.20
Schon wieder ein Auffahrunfall mit dickem Stau auf der anderen Seite...
Claaaudi-Moooojoooo... oooohhhmmm....
Ansonsten ist die Autobahn auf unserer Seite fast menschenleer während sich gegenüber der Rückreiseverkehr knubbelt! Wie schon auf der Hinfahrt reisen wir netterweise antizyklisch... Alle Anderen müssen zum Arbeiten zurück nach Deutschland; wir nach Griechenland... Ist jedenfalls ein sehr entspanntes Reisen bei strahlendem Sonnenschein und fast leeren Straßen!

Seit wir vor einer Stunde die ungarische Grenze überquert haben, habe ich übrigens keinen Empfang mehr... diesmal habe ich vorsichtshalber den Flugmodus eingeschaltet, sodass mein Guthaben nicht angezapft werden kann! An alles gedacht!

13.40
Jetzt gibt es erst mal noch ein paar leckere deutsche Brötchen; wieder mit Ei, das wir heute morgen beim Frühstück im Restaurant geklaut haben und natürlich Remoulade - mjam!...

Oh nein! Der nächste Auffahrunfall auf der Gegenspur! Die armen Heim-Reisenden!!!
Moooojjjooooooooo......

14.30
Die Landschaft ist seit Stunden sehr schön und inzwischen sehr langweilig:

Weite Flächen mit hoch gewachsenen schmalen Baumgruppen, immer wieder schöne hohe Gräser und heute auffallend viele Rehe auf den Feldern. Vereinzelt gibt es kleine für unsere Begriffe halb verfallene Höfe und am Eingang eines Dorfes steht eine Farm die schwarze Pferde züchtet.
Kurz vor der serbischen Grenze geht es noch mal runter von der Autobahn, um zu tanken: In jedem Dorf hängt eine riesige Kameraanlage über der Hauptstraße und fotografiert jeden, der hier durch fährt... Die niedrigen Häuser, die in langen Reihen rechts und links der Straße stehen, sind alle klein und der Putz ist alt, was für uns wieder etwas romantisches hat... Neben uns an der Tankstelle steht ein alter Lada und der Besitzer, der grade tankt scheint genau so alt wie sein Auto zu sein...
An den Toiletten hängen Schilder auf ungarisch und deutsch und mir fällt wieder ein, dass auch bei unserem Budapest-Trip vor ein paar Jahren niemand englisch und alle deutsch gesprochen haben!

14.50
Wir sind an der serbischen Grenze. Jetzt ist leider wieder Schluss mit EU und uns erwartet eine kleine Autoschlange...
Außerdem macht das Auto komische Klopfgeräusche... !!! ... !!! ...
Lutz macht das Auto einfach mal aus und wieder an und das Klopfen hört auf...
Lalalalala... Einfach nicht drüber nachdenken!... Und jetzt schnell noch das Radio an, dann hören wir nicht, wenn es wieder los geht...
Eigentlich gibt es eine EU-Spur, die normalerweise schneller geht und drei Spuren für "all passports", aber die EU-Spur ist hier gesperrt...
Die Busse halten übrigens alle unmittelbar vor der Grenze auf einer gesonderten Spur, alle Leute steigen aus, gehen zu Fuß am Grenzhäuschen vorbei, zeigen ihren Pass vor und steigen hinter der Grenze wieder in den Bus...

15.25
Wir stehen direkt vor dem Zollhäuschen: Auf einem Plakat steht, dass man keine Tiere, keine Pflanzen und kein Obst einführen darf. Gut zu wissen! Direkt neben mir auf der breiten Armstütze steht nämlich eine Tasche mit Bananen und Äpfeln und das ganze Auto riecht nach den Mandarinen, die wir vor einer halben Stunde gegessen haben... Lalilalila... Die ungarische Zollbeamtin winkt uns zum Glück einfach durch... Jetzt kommen noch die Serben...

15.40
Auch die serbischen Zollbeamten winken uns nett durch... Ich hätte ja eigentlich gedacht, dass sich irgendjemand für das Sammelsorium in unserem voll beladenen Wagen interessiert... aber umso besser!... Auf nach Belgrad - noch zwei Stunden...

die mautpflichtige Autobahn ist menschenleer; es sieht aus, als wären wir auf einer Vollsperrung unterwegs... Lauf Grüner Benz!!!

15.50
... Und wieder Blaulicht auf der Gegenfahrbahn... Puh!... Mein Mojo leistet heute Schwerstarbeit!...

Die Sonne geht grade unter und wirft ihr goldenes Licht über weite Wiesen und Felder mit dunkler fast schwarzer Erde... Sehr schöner Anblick!

16.20
Das erste Auto mit griechischem Nummernschild gesichtet!!! Jippiie!

Griechenland - Wir kommen!

17.30
Angekommen! Und der empfohlene Parkplatz hat tatsächlich ein Wächterhäuschen! Hurra! Wir stellen unser Auto genau davor ab und drücken dem sehr netten Wächter noch ein Trinkgeld in die Hand, über das er sich sehr freut... jetzt kann ich beruhigt schlafen!
Auf einem gut beleuchteten Parkweg mit vielen Fußgängern laufen wir zu unserem "green house hostel", das AUF einem Seitenarm der Donau liegt. Es ist nämlich eins von vielen vielen netten großen und kleinen Holzhäusern, die entlang des Ufers liegen und nur über kleine Steege zu erreichen sind - fantastische Idee! Wir cheken ein und stellen die Koffer in unser Zimmer, das den Charme eines Mietwohnwagens hat. Aber dafür ist die Lage nicht zu toppen! Also laufen wir erst mal am Ufer mit den schön beleuchteten großen und kleinen "Hausbooten" entlang, bis wir auf ein mexikanisches Restaurant stoßen, dass uns auf die andere Straßenseite lockt. Da sitzen wir jetzt und geniessen eine herrlich zubereitete Häppchenplatte für zwei Personen... tolles Ambiente, tolle Musik (nicht zu laut für mich) und tolles Essen... Ein gelungener Tag!

Übrigens
Über unserem Tisch hängt ein riesiges Schild und ich wundere mich sehr, wieso das Restaurant sich den Namen "Fluß der Schuhe" gegeben hat... sehr ungewöhnlich!...
Lutz lacht sich auch kaputt, aber eher darüber, dass mein Spanisch wohl doch ein kleines bisschen eingerostet ist...

Die Schuhe sind nämlich die "ZapatOs"... Und Rio ZapatA ist nämlich der "Zapata-Fluß" und das war der berühmteste und verhrteste mexikanische Freiheitskämpfer überhaupt!... ... ...

Macht nichts - war ja schließlich ein langer Tag!

 

(Die maps zu diesem Artikel findet Ihr ganz unten am Ende)

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