· 

Back to Greece

Guten Morgen Ihr Lieben,

heute vor einer Woche habe ich in Deutschland die Koffer gepackt und das Auto beladen... Nach zwei Wochen zu Gast und mit vielen Besuchen und Besuchern hatten Lutz und ich genügend Deutschland getankt und haben uns wieder auf das Zurückkommen nach Griechenland gefreut...

Eigentlich rät einem ja jeder Expat, der sich mit Auslandsaufenthalten auskennt, auf gar keinen Fall in den ersten Weihnachtsferien nach Hause zu fahren, weil einen da der Kulturschock noch fest in seinen Klauen hält und man dann vielleicht merkt, wie schön es doch alles zu Hause ist!... Das ist bei uns netterweise überhaupt gar nicht so! Vielleicht auch dank der Erfahrungen aus Mexico gab es in Griechenland für uns überhaupt keinen Kulturschock - das (für uns gefühlte) Chaos, aber auch die Herzlichkeit der Menschen erinnert uns jedesmal sehr an Mexico und sind für uns eine willkommene Auszeit von deutscher Ordnung... 

Ich hatte ja in den letzten Monaten zwar dauernd das Gefühl, dass ich noch gar nicht so richtig angekommen bin, aber als wir jetzt zurück aus Deutschland gekommen sind, war auf einmal alles rund und vertraut und fühlte sich so richtig gut und entspannt an. Nach einem halben Jahr "Nest-Bauen" und die neue Heimat erkunden kommt jetzt also mit dem 01.01.2020 auch für mich der richtige Start in Griechenland! Wir leben jetzt hier und zwar sehr gerne und gut!

 

Das Ankommen war easy, weil wir so geplant hatten, dass Lutz noch einen Tag frei hatte und so haben wir schön unsere Vorsätze in die Tat umgesetzt und sind direkt am nächsten Tag zum Meer, haben einen schönen Spaziergang gemacht und waren mit Freunden lecker essen. Herrlich! Wieviel es doch ausmacht, wenn der Himmel blau ist und die Sonne scheint! Interessanterweise ist es im Moment sogar kälter als in Deutschland (Nachts -4 und tagsüber 6 Grad), aber trotzdem zieht es uns ins Freie, weil wir die Sonne geniessen wollen! Heute Mittag habe ich mich dick in eine Decke eingemummelt zum Mittagessen schön auf dem Balkon in die Sonne gesetzt - das hatte ich ganz am Anfang hier auch schon gemacht, es aber irgendwie wieder verloren... Jetzt führe ich das wieder ein und zwar an jedem Tag, an dem die Sonne scheint - das heißt vermutlich an fünf von sieben Tagen pro Woche!

 

Vorgestern war ich den ganzen Tag schwer beschäftigt: Ich habe nämlich ein altes Fahrrad umgebaut, das die Vormieter hier gelassen haben, weil ich mir in Deutschland einen Rollentrainer gekauft habe - das ist so ein Ding, das Profiradfahrer sich unter ihr Fahrrad schrauben, wenn sie zu Hause im Wohnzimmer trainieren wollen. Das Hinterrad wird an so einem Gestell aufgehängt und man fährt sozusagen in der Luft... tolle Erfindung!

Vorgestern habe ich das also alles aufgebaut und gestern mittag ging es dann schön auf die Dachterrasse eine Runde Fahrrad fahren:

Wunderbar! Das kommt glatt an meine schönsten Eindrücke in Deutschland ran: z.B. morgens an der Ruhr unterwegs zu sein, wenn der Nebel noch auf den Feldern liegt und Schwäne und Gänse über dem Wasser aufsteigen... Und hier fahre ich jetzt mit Blick über die Bucht von Thessaloniki, knallblauem Wasser, einem strahlend blauem Himmel, der Sonne auf den Schultern und ganz ganz viel fantastischer Lieblingsmusik!... Herrlich! Herrlich! Herrlich!...

 

Die Jungs haben uns nämlich zu Weihnachten eine spotify-Premium-Mitgliedschaft geschenkt und einen Teil der letzten Tage habe ich damit verbracht, Lieblings-Musik runter zu laden, die ich dann schön beim Radfahren hören kann! Es ist schon irre, wieviele Musiker und Lieder man kennt, die man gar nicht mehr bewußt auf dem Schirm hatte und wie viel man plötzlich wieder entdeckt! Ich habe früher zum Beispiel sehr viel Blues und Soul gehört und kann tatsächlich von Nat King Cole fast alle songs mitsingen - das war mir gar nicht klar! Und wußtest Ihr, dass "Minnie the Moocher" im Original von Cab Calloway ist - eine herrliche Aufnahme, der man anhört, dass man damals eigentlich noch gar keine Musik aufnehmen konnte - knister, kanaster, rausch... "Procol Harum" - schon mal gehört?... Nein?... Was für ein Name!!!...Ich auch nicht! Aber das Lied kennt jeder..."Whiter Shade of Pale"... Und wie hieß noch mal das Lied von Westernhagen mit Klaus?... Ja genau: "Zieh Dir bloß die Schuhe aus!" Die alten Lieder vom Marius fand ich toll, der neuere Kram war mir zu mainstream und das war der junge Marius ja gerade eben nicht!... Schade... Toll, was für Gefühle die ganze Musik in mir wachruft!... Was auch noch witzig ist, dass ich viele Rock-Songs heute als viel softer empfinde als damals - früher waren das Hard-Rock-Hymnen... Aber die Musik ist insgesamt schneller und härter geworden und wir verändern uns mit... Jetzt ist der ehemalige Hardrock was für Softies oder für mich!... Auch das Stöbern in Liedern, die ich eigentlich gar nicht hören will, ist ganz witzig; es gibt etliche Disco-Hits oder Neue Deutsche Welle-Hits, die ich damals schon doof fand und die mich trotzdem an vergangene Zeiten erinnern: Nena z.B. mochte keiner von uns, weil sie immer so naiv daherkam, aber "Ich habe heute nichts versäumt, denn ich hab nur von Dir geträumt..." lief einfach wochenlang rauf und runter undirgendwann kennt man sogar den kompletten Text auswendig und natürlich gehört es zu meiner Zeit und es ist witzig, das heute mal wieder gehört zu haben... Ich kenne übrigens auch die kompletten Texte von so hirnlosen Liedern wie "Ich will Spaß" von Markus - grusel!... der übrigens mit Nena zusammen war - doppelgrusel!... 

Uiuiui, da wartet ja wirklich noch viel schöne Arbeit auf mich: bloggen, weiter griechisch lernen und jetzt auch noch playlists in spotify erstellen...

Ach ja, wen es interessiert: Mein Nutzername auf spotify ist übrigens "Claudis"...

 

Das Gute am Wegfahren und Wiederkommen ist, dass die Auszeit in Deutschland mir irgendwie geholfen hat, von meinem Leistungsdenken runter zu kommen und ich mich jetzt eher auf das "Nicht-Arbeiten" hier einlassen kann. Ich hab mal alibimäßig drei Kisten mit Arbeitssachen mitgebracht und die dann ganz schnell unausgepackt neben dem Regal im Arbeitszimmer gestapelt... Das ist steuerlich und rechtlich so kompliziert, wenn ich hier arbeite... Jedes Mal, wenn ich ernsthaft darüber nachdenke, will ich dann doch lieber nicht!...

Neben meinen ganzen Hobbies ist im Haus auch so noch genug zu tun: Ich habe gestern nach dem Frühstück erst mal einen Wasserhahn im Bad repariert, sodass wir wieder unten duschen können und den Wohnbereich aufgeräumt, bevor ich mich auf mein Fahrrad geschwungen habe...

 

Morgen früh habe ich mir erst mal Griechisch lernen vorgenommen, aber wie gesagt, habe ich seit unserer Rückkehr eine neue Gelassenheit und werde mir ganz in Ruhe Zeit nehmen und mich dann mit netten Sachen belohnen... Für die nächsten Tage oder Wochen steht dann noch auf dem Programm, sich mal die extrem schwer gängigen Rolladen vorzunehmen (das heißt, alles sehr sehr gründlich putzen und säubern, was hier seit Jahren keiner mehr gemacht hat - grrrr), ein paar undichte Wasserhähne anzugucken, das Furnier der Badmöbel im oberen Bad zu befestigen, das sich so langsam löst, die Handtuchstangen, die in den Seilen hängen neu zu befestigen und alle Vorhänge im Wohn- und Esszimer so weit zu kürzen, dass unser neuer Saugroboter sie nicht versucht zu fressen! Es war so viel Arbeit, die alle zu nähen und teilweise auch noch Vorhangstangen anzubringen, dass mir egal war, wenn die Dinger überall zu lang waren...

 

Übrigens:

Unser neuer kleiner Saug-Haushaltshelfer spricht witzigerweise mit mir, z.B. wenn der Auffangbehälter voll ist. Leider ist er aber noch nicht so weit entwickelt, dass er auch versteht, was ich ihm sage... Und da er überaus gründlich ist und auch größere Herausforderungen nicht scheut, macht er sich regelmäßig über meine Vorhänge her... Ich kann ihm so oft sagen wie ich will, dass Vorhänge kein Müll sind, das interessiert ihn überhaupt nicht - da hängt und liegt was auf dem Boden, was da nicht hin gehört - schluuuuuurfff!!!  Zur Strafe habe ich ihn schon mehrfach zurück sein Körbchen geschickt - die Basisstation, wo er zum Schlafen und Strom-Fressen hin zurückkehrt, wenn man eine bestimmte Taste drückt... Das wäre doch noch eine fantastische Idee: Wenn man den Saugroboter per Sprachbefehlt steuern könnte:

"Ab ins Körbchen, Robbi!" Ich wette, das wäre der Hit für alle Hundenarren! 

Ich muss ja zugeben, dass ich meinen kleinen Saugroboter jeden Tag mehr ins Herz schließe: Er macht meine Arbeit und wirkt dabei auch noch äußerst putzig! Wenn er nämlich unter den Tischen, Schränken und Sesseln herwuselt, sieht er tatsächlich aus, wie ein Alien-Hund, der auf einer besonders interessanten Fährte ist - sehr witzig - schnüffelt hier und schnüffelt dort und ist sehr emsig bei der Sache...

Hhhm, was sagt das wohl über mich, dass ich meinen Saugroboter für einen Hund halte?!... Es gibt ja wirklich viele viele Menschen, die ihren Hund für einen geeigneten Partnerersatz halten, aber Leute, die ihren Saugroboter für einen geeigneten Hundeersatz halten?!... ... Muss ich mir Sorgen um mich machen?!...

 

Für unseren echten (Nachbars-) Hund Bruno, zu dem ich ja ein sehr zwiespältiges Verhältnis habe, weil ich ihn eigentlich mag und er mir unendlich leid tut, habe ich übrigens auch ein Mitbringsel aus Deutschland mit gebracht: Einen Hund-Erziehungs-Lautsprecher. Das handtellergroße Teil reagiert auf Bellen und sendet dann Ultraschall-Signale aus, die Hunde nicht mögen (so wie bei diesen Hundepfeifen)... Bruno bellt natürlich trotzdem (er kennt das ja noch nicht), hört aber immerhin nach ca. 20-40 Mal Bellen anstatt nach einer Stunde auf...

Das ist schon ein Riiiiiesen-Fortschritt!!!... Vor allem Nachts, wenn er sich zwischen 3.00 und 5.00 stundenlang dran hält, bis ich hellwach bin... Momentan bellt er kurz und dann ist Ruhe!... Ich bin mal gespannt auf die Langzeitwirkung!...

Bitte versteht mich richtig: Ich mag Hunde sehr (so sehr, dass ich sogar meinen Saugroboter behandele wie einen Hund!) und sie dürfen auch gerne mal Bellen - daran gewöhnt man sich! Aber dieses Dauerbellen über Stunden und Stunden... das macht einen verrückt!!! Als meine Schwägerin im Sommer hier war, haben wir mal auf die Uhr geguckt: Da hat Bruno tatsächlich zwei Nächte hintereinander jeweils zehn Stunden am Stück gebellt - zehn Stunden!!! Unfassbar!!! Da waren wir für die anderen Nächte mit fünf Stunden Gebell regelrecht dankbar!...

Na ja, wir werden sehen - zur Not habe ich auch noch eine Hundepfeife gekauft!...

Und wenn das alles nichts hilft... dann muss ich wohl leider die Nachbarn vergiften!

Du möchtest noch mehr Geschichten aus Griechenland lesen? Klick hier!

Du möchtest alle meine Artikel lesen? Klick hier!