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Timisoara / Temeswar - Eine Stadt im Aufbruch

Temeswar / Timisoara

Unsere letzte Station auf unserer Rumänien Rundreise ist die Stadt Timisoara, mit etwas über 300.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt in Rumänien. Auch Temesoara wurde im 12. Jahrhundert nach der Zerstörung durch die Tataren von deutschen Siedlern wieder aufgebaut, die der ungarische König Bela IV ins Land holte.
Timisoara wurde von den Awaren, Petschenegen, Kumanen, Bulgaren, Walachen, dann von den Ungarn, den Osmanen und schließlich von den Österreichern regiert - ein echt umkämpftes Fleckchen!
Den Einfluss des Königreichs Österreich- Ungarn merkt man hier an allen Ecken: 15.000 historische Gebäude, die von der damaligen Wiener Architektur beeinflusst wurden schmücken die Innenstadt und geben der Stadt den Beinamen "Klein-Wien".

Wir haben in Timisoara einen Tag Pause eingeplant, bevor es weiter in Richtung Heimat geht und bummeln durch die mit Kopfstein gepflasterten Straßen. Unsere Unterkunft liegt im Botschaftsviertel, in dem wir an traumhaften riesigen alten Villen vorbei spazieren, die alle Aussehen, als liegen sie im Dornröschenschlaf: wunderschöne verzierte aufwendig gestaltete Häuser, deren Fassaden verfallen... Der Anblick ist so ungewohnt und gleichzeitig so faszinierend, dass mein Kopf sofort anfängt, sie Häuser zu renovieren: Die verblassten Farben und das Graubraun der Jahrhunderte mit frischer Farbe übermalt, Schäden ausbessert, malt und verputzt und repariert... Und unter jeder dieser erst mal wenig einladenden Fassaden entsteht in meinem Kopf ein kleiner Schatz!...

Und offensichtlich geht es nicht nur mir so:
Kaum betreten wir die Innenstadt hinter der prächtigen Catedrala Mitropolitana Ortodoxa, der Kathedrale der Heiligen drei Hierarchen, laufen wir durch die Fußgängerzone und über die drei riesrngroßen Plätze an einem Prachtbau nach dem nächsten vorbei. Und jedes dritte dieser riesigen Zeugen einer Zeit voller Reichtum und Prunk ist mit riesigen Planen verhangen und wird grade renoviert... Wow! Eine Stadt im Aufbruch!
Ich hätte gerne mal eine Keistallkugel und würde jetzt schon mal gucken, wie es hier in fünf Jahren aussieht... Zumindest in meinem Kopf entsteht da grade ein unglaublich tolles Bild!
Zumindest hier in der Innenstadt ist Timisoara schick und weltoffen und uns fällt genau wie in Cluj wieder auf, dass es in der Innenstadt wenig Geschäfte und stattdessen massenhaft Lokale für das leibliche Wohl gibt.
Die Rumänen haben wirklich ein großes Talent dafür, aus alten Gebäuden schicke, sehr sehr gemütliche Restaurants und Cafés zu zaubern und jedes ist einzigartig und hat eine tolle einladende Atmosphäre, sodass die Wahl, in welches man sich setzt wirklich eine Qual ist... Dazu kommt, dass genau wie in Cluj und Sibiu das Essen günstig und wirklich fantastisch lecker ist, egal wo und was man isst! Und in Timisoara gibt es an jeder Ecke einen Straßenmusiker, der die Luft mit schönen Geigen-, Gitarren- oder Klaviermusik erfüllt... Ja genau: Ein Musiker hat seinen völlig heruntergekommenen Flügel mitten in der Fußgängerzone ausgebaute.. Irre schön!

Ein Tag in Timisoara reicht uns allerdings, um die Stadt zu entdecken, wir setzen uns abends noch schön in einen Biergarten direkt am Fluß genießen ganz in Ruhe unseren letzten Tag in Rumänien...

Übrigens

Derr Weg zu unserer Unterkunft führt uns über den Fluss und durch einen Park, in dem sich in der Dämmerung tausende von Krähen in den Bäumen nieder gelassen haben. Diese kleinen schwarzen Vögel sind uns auf dem Hinweg schon aufgefallen, weil sie massenhaft auf den Dächern der alten Häuser sitzen und einen riesen Lärm machen...

 

Jetzt so kurz vor der Dunkelheit sind ganze Schwärme unterwegs auf der Suche nach dem besten Schlafplatz und wenn so ein Schwarm von fünfzehn Vögeln versucht, auf einem voll besetzten Baum zu landen, scheucht er mal eben fünfzig Vögel auf, die sich dort eigentlich schon nieder gelassen hatten und die ihrerseits jetzt versuchen auf einem Baum zu landen und andere Vögel aufscheuchen... Ein herrliches Spektakel!

 

Das Ganze erinnert uns an etwas, das wir mal in Thailand gesehen haben: An einen riesigen Schwarm Fledermäuse, der aus seiner Höhle in den Nachthimmel ausgeschwärmt ist, um auf Insektenjagt zu gehen...

Der Himmel ist alle paar Minuten plötzlich voll von schwarzen krähenden Kreaturen, die das Blau fast vollständig verdrängen und mit großer Energie in eine Richtung streben...

 

Ich stehe stundenlang auf der Brücke und bin fasziniert und als wir endlich Richtung Unterkunft gehen, können wir es nicht lassen und klatschen immer wieder laut in die Hände und stoßen komische Kampfschreie aus, damit so ein Dach voller schwarzer Krähen über uns noch mal lebendig wird...

Gruselig schön! Hitchcock hätte hier sicher seinen Spaß mit uns gehabt...

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