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Kindergeschichten und Do it yourself - Nebensaison im Strandlokal

Die erste Oktoberwoche ist rum und man merkt deutlich, dass die Saison vorbei ist:

Am Sonntag waren wir endlich mal in dem Fischrestaurants am Meer, das unsere Vermieterin uns letztes Jahr schon wärmstens empfohlen hat.

Wir sind bisher immer nur daran vorbei gelaufen und haben uns jedesmal geschworen, dass wir hier irgendwann mal essen gehen. Und am Sonntag ist es endlich so weit:

Erstmal studieren wir in Ruhe die Speisekarte, wählen nach langem hin und her die frittierten Anchovies und eine Dorade und als wir dem Kellner unsere Bestellung nennen, sagt er mit freundlichem Lächeln (das man wegen der Corona-Maske nur erahnen kann):

"Sorry, we dont have anchovies...".

Na macht ja nix, dann also die Dorade! ...

"Sorry, we dont have Dorade"...

Hups! Na gut, immerhin sitzen wir in einem Fischrestaurant, da gibt es genügend anderen Fisch... Dann also frittierte Sardinen...

"Sorry we dont have sardines"...

Wir werfen erst uns und dann dem Kellner hilflose Blicke zu...

"We only have seafood: Octops, Shrimps, Mussels..."

Seufz... Eigentlich sind wir extra in dieses Fischrestaurant gegangen, um mal richtigen Fisch zu essen und nicht immer Octopus... Was solls! Wir haben Hunger, als0 her damit!

 

Wir finden des seeehr befremdlich, dass es in einem Fischrestaurant, in dem es sechs Fleischgerichte und dreissig Fischgerichte gibt, am Sonntagsnachmittag nur noch drei Meeresfrüchte-Gerichte angeboten werden, aber das ist hier scheinbar in der Nebensaison normal. Wahrscheinlich lohnt es sich bei den paar Gästen, die hier noch herkommen nicht, die Kühltruhen bis oben voll zu machen und wenn der Gast hungrig genug ist, isst er ja schließlich auch das, was da ist!

 

Das Ganze hat mich übrigens letzten Februar schon sehr an eine meiner Lieblingsgeschichten erinnert, nur das mir nicht klar war, dass diese reduzierte Auswahl schon im Oktober anfängt:

 

Kennt Ihr die Janosch-Geschichte "Ich mach dich gesund, sagte der Bär" - Ich liebe Janosch! (https://www.janosch.de/)

 

Also:

Der kleine Tiger ist krank und darf sich vom kleinen Bär seine Leibspeise wünschen:

" “Springforelle mit Mandelkernsoße, Kartöffelchen und Semmelbröseln.”
"Haben wir nicht, sagte der kleine Bär, “sag was anderes.”
“Eiernudeln mit Mandelkernsoße und Semmelbröseln”, sagte der kleine Tiger.
“Haben wir auch nicht”, sagte der kleine Bär, “sag noch etwas anderes.”
“Semmelbrösel”, sagte der kleine Tiger, aber die hatten sie auch nicht.

“Sag doch mal: Bouillon!”, sagte der kleine Bär.
“Ja, Bouillon”, rief der kleine Tiger,“das wollte ich haargenau sagen.” "

 

Quelle: https://www.janosch-shop.com/buecher/290-beltz-ich-mach-dich-gesund-sagte-der-bar-eines-tages-wird-der-kleine-tiger-krank-doch-der-kleine-bar-ist-schnell-zur-stelle-und-.html?search_query=Ich+mach+Dich+gesund&results=38

 

Also, lieber Gast, sag doch bitte mal "Bouillon" oder besser noch: "Grilled Octopus!"... "Jaaa! Haargenau das, was ich ja eigentlich viel lieber bestellen wollte, als Anchovies und Dorade!"... ... ...

 

Leider haben wir heute wirklich Pech mit dem Lokal, denn der Octupus ist nicht nur gegrillt, sondern teilweise angebrannt und ich darf zum ersten Mal die Erfahrung machen, dass Octopus nicht nur nach Meer, sondern auch extrem bitter schmecken kann... Uhhhh...Grusel...

 

Die Leute am Nachbartisch haben wohl ähnliche Erfahrungen gamcht und lassen ebenfalls einiges von ihrem Essen stehen. Da das Lokal relativ leer ist, lässt der Kellner die Reste erst mal wo sie sind und die vier Katzen, die bisher versucht haben, um unseren Tisch herumzuschleichen, um vielleicht ein paar Happen zu ergattern, haben plötzlich ein neues Ziel: Schon irre, wie schnell sich so eine Katze in die fünffache Höhe ihrer Körpergröße katapultieren kann! Und keine schöne Vorstellung, dass vor uns an unserem Tisch Katzen gespeist haben... Na ja...

 

Gruselig ist es hier übrigens noch aus einem anderen Grund:

Wir sitzen wie immer am Strand unter einem Dach aus Stroh-Sonnenschirmen an die der Besitzer lange Kabel mit Glühbirnen geknotet hat, damit man abends sein Essen noch erkennen kann. Und da die Kabel ja die ganze Saison über Wind und Wetter ausgesetzt sind und die ganze Konstruktion natürlich handmade ist, fängt eine der Stellen, an denen das Kabel wohl etwas morsch geworden ist plötzlich an, Funken zu schlagen... " Kabelbrand" denke ich sofort und sehe vor meinem geistigen Auge all  die strohgedeckten Sonnenschirme in Flammen aufgehen und das Feuer wegen der extremen Trockenheit hier von Restaurant zu Restaurant springen... Den Kellner, der beim Servieren immer genau an der Stelle vorbei läuft, stört das Ganze so lange nicht, bis plötzlich der Strom komplett ausfällt... Tja, was nun? Der Kellner kommt mit einem anderen Typ, sie begucken die Stelle, und machen... nichts! Komisch... Also ich würde den Strom abschalten, die Kabel sauber isolieren, neu verdrahten und dann ordentlich mit Isolierband umwickeln... Dauert 15 Minuten!...

Hier hat man andere Methoden, jedenfalls ist zwei Minuten später wie von Zauberhand das Licht wieder an... Wow!... Ohne dass sie das Kabel auch nur berührt haben!... Und zehn Minuten später ist es wieder aus, nachdem das Kabel empört zehn Zentimeter lange Feuerfunken geschlagen hat - knapp vorbei am Stroh des Sonnenschirms, an dem es befestigt ist... ... ...

 

Und dann fängt Lutz plötzlich sehr breit an zu grinsen: Ich folge seinem Blick und sehe, wie der Koch am Eingang des Restaurants mit einer Geflügelschere in der Hand gebeugt vor einem Stromkasten steht und rumhantiert... Und tataaaa!... Licht wieder an!!! Was er da mit der Geflügelschere gemacht hat? Keine Ahnung und ich glaube, ich will das auch besser gar nicht wissen... Jedenfalls bin ich sehr fasziniert und muss über mein "Deutsch-Sein" schmunzeln... Na guck mal, so geht es doch auch! Da braucht man doch nicht immer alles gleich in deutscher Gründlichkeitsmanier zu reparieren; man muss nur einfach deutlich mehr Geduld haben! ... ... ...

 

Übrigens

Als ich allerdings eine halbe Stunde später das Lokal betrete, weil ich auf die Toilette muss, kann ich kaum glauben, was ich sehe: Auf allen Tischen im hinteren Drittel des Restaurants stapeln sich halbmeterhohe Türme mit benutzten Servierplatten und Tellern... ... ... Ach Du Sch...!!! Offenbar gibt es dieses Stromproblem schon den ganzen Abend und die Spülmaschine ist lahm gelegt... Ok, ich denke mal, in diesem Fall wäre meine deutsche Reparatur-Methode vielleicht doch die bessere gewesen???

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