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Viseu de Sus - Mit der Nostalgiebahn durch die Karpaten

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Viseu de Sus liegt zwischen den Holzkirchen im Nordwesten des Landes (von denen wir inzwischen massenhaft gesehen haben) und den tollen Klöstern im Nordosten (die wir uns noch angucken wollen). Der Ort ist zwar nicht sehr schön, aber es ist ein guter Stopp-Over und hier fährt eine Wassertalbahn, die einzige Wald-Dampflokomotive in Europa durch das Waldbachtal, die >Mocanita.

 

Eigentlich sind die Tickets schon Tage vorher ausgebucht, aber wir haben Glück: Morgens um 9.15 fährt die erste Bahn und dann fahren weitere jede halbe Stunde und man kann sich auch ohne Ticket am Bahnhof anstellen und hoffen, dass ein paar Reisende nicht kommen. Gesagt, getan - wir sind einer der letzten Gäste, die um 11.15 noch mitfahren dürfen und landen deshalb im allerersten Waggon direkt hinter Lok und dem Wagen mit dem Brennholz und den Kohlen. Ich hatte mal irgendwo gelesen, dass man dann den Qualm der Dampflok abkriegt, aber das ist Blödsinn - der Dampf geht komplett hoch über dem ganzen Zug weg und es riecht nur ganz leicht nach Qualm (was übrigens in jedem Waggon so ist, wie wir auf der Rückfahrt feststellen). Auf was ich allerdings nicht vorbereitet bin, ist das ohrenbetäubende Pfeifen, das die Lok immer wieder ausstößt. Irgendwie gehört es in Kombination mit dem Rumpeln und dem SCH SCH SCH zwar zum Romantik-Gesamtpaket, aber beim ersten Mal schreit mein Trommelfell genau so laut wie die Lok und ich stopfe mir einen Zipfel Tempotuch ins Ohr... so, jetzt kann ich die Fahrt genießen! Und es ist wirklich witzig, dass die Bahn genau die ganzen Geräusche macht, die man mit einer DampfLokomotive verbindet: Beim Anfahren gibt sie ein ganz langsames, schwerfälliges SCH - SCH - SCH von sich und klingt wie ein alter Mann, der mühsam ächzend und stöhnend diese Tonnenlast ziehen muss - Immerhin sind es 7 voll besetzte Waggons!

 

Die schönen alten Holzabteile sind zwar voll, aber man darf auf der kleinen Plattform zwischen den Waggons stehen, was uns so gut gefällt, dass wir den Großteil der Fahrt da verbringen. Wir fahren durch ein enges bewaldetes Tal am Fluss entlang, sehen Baumfäller bei der Arbeit und begegnen Pferden, Kühen, Ziegen und Schweinen... Nach 15 Minuten kommt der erste Stopp... wir fragen uns, ob das der erste Bahnhof ist... aber nein: wir stehen mitten in der Pampa... Aha, jetzt tut sich was: Die Schaffnerin verteilt Brötchen an ihre Kollegen und man macht hier Frühstückspause... 5 Minuten später geht es weiter, diesmal 1,5 Stunden bis zu einem großen leeren Platz irgendwo am Fluss, an dem ein Pavillon für Kaffee und kalte Getränke aufgebaut ist und ein paar Picknicktische stehen. Wir hatten eigentlich gedacht, wir könnten hier spazieren gehen, aber das gibt weder der Ort noch die Zeit her: Nach 30 Minuten geht es nämlich schon wieder weiter.

 

"Das wars"? und ab geht es wieder nach Hause?!... Falsch gedacht! Denn nach 40 Minuten heißt es: Alle aussteigen! Jetzt erst haben wir nämlich unser endgültiges Ziel erreicht: Einen weiteren Platz am Fluss, an dem uns noch mehr Picknicktische, noch ein Pavillon (diesmal mit Bratwurst), zusätzlich laute fröhliche Volksmusik und eine Folkloretanzgruppe erwarten. Und ich bin völlig fasziniert! So sieht also ein gelungener rumänischer Familienausflug aus! Oktoberfest mitten im Wald! Hey hey hey!

 

Aber hier gibt es jetzt aich tatsächlich den von unsrer Vermieterin versprochenen Wanderweg, der ein Rundweg ist und 45 Minuten geht. Wir trauen uns aber nicht, ihn ganz zu gehen, denn wir haben nur 1 Stunde, bis unsere Bahn zurückfährt, es ist die letzte für heute und wir haben schon ein bisschen Zeit auf dem Festplatz vertrödelt... Ein paar Meter gehen wir trotzdem, begleitet von der leiser werdenden Volksmusik und dem schrillen Pfeifen der 6 Züge, die sich hier alle nach und nach sammeln und jeden Neuankömmling enthusiastisch begrüßen.

 

In Rumänien leben übrigens die meisten Bären und Wölfe in ganz Europa und in dieser Gegend hier soll man besonders vorsichtig sein und möglichst die Wanderwege nicht verlassen, weil man sonst leicht über einen stolpern könnte. Also habe ich heute morgen extra im Internet bei wwf nachgeguckt, wie man sich bei einer Begegnung mit Meister Petz verhalten soll und war sehr hin und gerissen, ob ich mir wünschen soll, einem Bären zu begegnen oder nicht... Die Antwort blieb uns erspart: Auch den Bären und Wölfen sind die feiernden Leute da auf der Lichtung am Fluss wohl zu laut... stattdessen begleitete uns auf unserem Waldspaziergang der sehr anhängliche wuschelige Hirtenhund des Gasthauses unten in Tal. Und der ist mir ehrlich gesagt doch lieber als so ein waschechter Wolf...

 

Als wir am nächsten Morgen nach Osten aus der Stadt raus fahren bekommen wir mit, dass die Dampfeisenbahn als gute Einnahmequelle hier auch ihre Schattenseiten hat: das enge Tal hängt komplett voller Qualm, denn die Loks heizen grade alle ihre Kessel an. Es ist also nicht ratsam, sich in diesem Teil der Stadt eine Unvernunft zu suchen...

 

Übrigens 

sitzen wir grade in einer der entlegensten Regionen Rumäniens, wo Hase und Igel sich gute Nacht sagen und sprechen tatsächlich hauptsächlich SPANISCH! Sehr witziges, skurriles Gefühl! Unsre Vermieterin ist nämlich wie viele andere Rumänien sehr weltoffen und hat jeweils für ein paar Jahre im Ausland gelebt und gearbeitet. In Deutschland war sie nur kurz aber  in Spanien hat sie 17 Jahre verbracht und da wir durch unsere Jahre in Mexico auch gut Spanisch sprechen, genießen wir alle es sehr, diese schöne Sprache mal wieder anwenden zu können...

SCHLAFEN

 

In Viseu de Sus haben wir eine wirklich außergewöhnlich schöne Unterkunft in der > Pensiunea Anita gefunden: Bei unserer Ankunft fragt uns die sehr sympatische Anita, ob wir lieber traditionell oder modern wohnen wollen und wir entscheiden uns für das traditionelle schöne Holzhaus, in dem unser Schlafzimmer über und über mit bunten Teppichen gepflastert ist und zwar sowohl der Boden alsauch die Wände! Morgens um neun werden wir von Pfeifen der Dampflok geweckt, die nur 200 m entfernt auf der anderen Flusseite vorbei fährt - also eigentlich ein absolutes Muss für alle Fans von Damplokomotiven! Außerdem liegt das Grundstück direkt am Fluss und zum Abkühlen (im Moment haben wir jeden Tag um die 30 Grad) kann man dort schön die Füsse ins Wasser halten.

 

Knapp 20 km hinter Viseu de Sus liegt >Borsa, ein kleines Skigebiet, in dem man sich auch im Sommer mit einem Sessellift den Berg rauf bringen lassen und eine Wanderung zu einem Wasserfall machen kann. Im Vorbeifahren sieht das Dorf von oben deutlich idyllischer aus als Viseu des Sus. Falls es uns noch einmal in diese Ecke von Rumänien verschlägt, werden wir uns hier mal eine Unterkunft suchen.

 

ESSEN

 

Nach unserer Bahntour waren wir in Viseu de Sus im > Hotel Restaurant Montana essen und waren sowohl von der schönen Atmosphäre alsauch dem super leckeren Essen sehr angetan.

 

INFOS ZUR WASSERTALBAHN

 

>Mocanita

>Fahrpläne und Preise

Hinfahrt 1:30 - KaffeePause 0:30 - Weiterfahrt 0:40 -

Würstchen-/WanderPause 1:10

Rückfahrt 0:30 - PinkelPause 0:15 - Weiterfahrt 1:00

Das heißt, man muss ungefähr  5 1/2 Stunden einplanen.

 

Die Hin- und RückFahrt kostet 24€ pro Person (am Besten frühzeitig kaufen!). Wenn man auf dem Hinweg auf der linken Seite sitzt, hat man die ganze Zeit die schönere Aussicht auf den Fluss, da der Zug auf dem Rückweg einfach rückwärts fährt und die Seite zum Fluss die gleiche bleibt. Überall hängen Schilder (an die die Leute sich alle halten), die darum bitten, dass man seine Plätze auf der gesamten Fahrt beibehält, man kann also für die Rückfahrt nicht die Seite wechseln...

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