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Schmetterlinge Schmetterlinge

Reserva de la Biósfera Santuario Mariposa

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Wir hatten letztes Wochenende Montags einen Feiertag, also ein langes Wochenende und außerdem Besuch aus Deutschland. Also wollten wir einen schönen Ausflug machen.

 

Freitag nach der Schule ging es los: Ab auf die Autobahn und Richtung Morelia. Was uns zu unseren Reiseerfahrungen hier nämlich noch fehlte, war eine Tour zu den Schmetterlingsreservaten westlich von Mexiko City, eine der beiden einzigen Stellen auf der Welt, wo man Monarchfalter in unfassbaren Mengen beobachten kann. Niemand weiß warum, aber zwischen November und Februar überwintern Millionen von Monarchfaltern in diesem Teil von Mexiko, bevor sie wieder in die USA fliegen und dann im nächsten „Winter“ zurückkommen. Wir hatten schon viel Tolles darüber gehört und unser Reiseführer schreibt, dass es ein neueres Reservat gebe, in dem kaum Touristen sind und die Schmetterlinge noch nicht vertrieben worden sind. Da wollten wir also hin! Nicht wie Zehntausende von unwissenden Touristen, die sich mit ganzen Lawienen von Gleichgesinnten durch das Reservat rollen – nein, wir hatten uns als Ziel dieses abgelegenere ruhige Reservat vorgenommen...

 

Es fing damit an, dass uns das Navi, das wir uns extra geliehen hatten quer durch die 30-Millionen-Stadt MexikoCity lotste, anstatt außen rum... Man stelle sich vor: 30 Millionen Menschen, die alle genau wie wir ein langes Wochenende haben und nach Westen raus aus der Stadt in die Naherholungsgebiete wollen... DAS war echt eine Geduldsprobe! Dabei hatten wir noch Glück, dass wir mit dem Auto gefahren sind! Die Kollegen, die mit dem Überlandbus unterwegs waren, steckten auch abends um 20:00 noch mitten in Mexiko City im Verkehrsinfarkt, als wir schon gut an unserem Ziel angekommen waren...

 

Unterwegs fiel uns schon auf, dass offensichtlich „Feuerteufel“-Zeit war: Alle möglichen Felder am Wegesrand waren von ihren Besitzern in Flammen gesetzt worden, um sie fruchtbarer zu machen. Dass da z.B. ein Feld unmittelbar ohne auch nur einen Meter Platz dazwischen direkt neben einer Tankstelle lag, störte scheinbar weder den Feldbesitzer noch den Besitzer der Tankstelle...

Von Weitem sah es zuerst so aus, als ob die Tankstelle in Flammen stand, denn es stiegen dicke schwarze Wolken auf, aber zum Glück war es ja „nur“ das Feld daneben... Krass!

Am nächsten Abend, als wir nach Morelia kamen, hatte man offensichtlich vor, eine Schneise in einen Hang zu brennen, jedenfalls sah man schon von Weitem den hellen Feuerschein, der einen ganzen Berg runter ging. Das erinnerte an die Silvesterabfahrten in Skigebieten bei Nacht, wo die Leute mit Fackeln die Piste runterfahren. Nur dass das hier viel heller und breiter war. Ein paar hundert Meter weiter kam dann schon wieder ein angezündetes Feld, allerdings diesmal soweit das Auge reicht...

 

Übernachtet haben wir in der drittgrößten Stadt des Bundesstaates Michuacan, die unmittelbar am Rand der Schmetterlingsreservate liegt (die hier eine wirkliche Touristenattraktion sind). Trotzdem hat die Stadt scheinbar keinerei Interesse an Tourismus: Es gibt jedenfalls nur vier völlig runter gekommene Hotels und überhaupt gar keine Restaurants. Mit Müh und Not haben wir einen netten kleinen Familienbetrieb gefunden, der an zwei Plastikgartentischen hausgemachte Tortillas mit vier verschiedenen Füllungen anbot. Lecker und authentisch! Damit war der Tag dann doch noch gerettet!

 

Am nächsten Morgen waren wir dann voller Erwartungen ... Ab ins Auto und los gehts... Tja aber wohin? Aus unserem Reiseführer hatten wir nur den Namen „Alternativ-Reservat", aber leider keine Wegbeschreibung. Na gut, aber wozu spricht man denn Spanisch? Damit haben wir uns dann 1 ½ Stunden nach einem Weg durchgefragt, für den wir auf dem Rückweg knappe 20 Minuten brauchten...

 

Und das ging so:

 

„Wir suchen den Weg nach „El Capulin“!“ – „El Capulin?“ – „Ja, den Eingang zum Schmetterlingsreservat“ – „ Ah zu den Schmetterlingen! Diese Strasse immer geradeaus!“...

 

1km weiter: „Wir suchen den Weg nach „El Capulin“!“ – „El Capulin? Nein! Da müssen sie wenden und genau in die andere Richtung fahren!“...

 

„El Capulin? Nein, da müssen Sie umdrehen und am Denkmal rechts abbiegen!“...

 

"El Capulin? [vor Entsetzen aufgerissene Augen] Das ist hier ganz falsch, da müssen Sie MINDESTENS 12 Minuten den Weg zurück fahren und dann an dem großen Stein rechts“...

 

Häää großer Stein? Keiner von uns hatte auf dem Hinweg einen großen Stein gesehen...

 

"El Capulin? Haha, das liegt doch in einem anderen Bundesstaat! – da sind Sie hier ganz falsch!“...

 

Ich kann euch gar nicht mehr sagen wie, aber irgendwie und irgendwann haben wir den Weg trotzdem gefunden!

 

So, also gut angekommen!... Im Reiseführer stand, dass es zu den Nistplätzen der Schmetterlinge 1-2 Stunden anstrengender Fußmarsch sei oder man Pferde mieten kann, die einen viel zügiger rauf bringen.

Also gut, die Mehrheit war für Pferde. Bereit standen ein paar nicht sehr gepflegte, aber zäh aussehende kleinere Pferde, inklusive einem Jugendlichen und vier acht bis zehnjährigen Jungen, die die Pferde führten (man hatte nicht die Wahl, selbst die Zügel zu halten, obwohl wir alle reiten konnten). Dazu gab es viel zu kurze Stieigbügel, die einem die Gelenke verdrehten und ein wunderbar (un)bequemer Sattel aus HOLZ! Tja, aber wir hatten ja nicht wirklich eine Alternative. Die erste halbe Stunde war dann trotzdem nett. Man ritt relativ flach durch einen schönen Wald, ließ dann eben die Beine baumeln, statt sich in die Steigbügel zu quälen und genoss die Ruhe.

Dann ging es steil bergauf ... und bergauf ... und bergauf... links dichter Wald, rechts Abgrund... Die Pferde fingen an zu schwitzen, zu schnaufen und zu stolpern, was bei einem extrem steinigen Waldweg, der teilweise gerade mal breit genug für ein Pferd war, echt nicht spassig war. Die kleinen Jungs liefen inzwischen hinter den Pferden, weil der Weg einfach nicht breit genug war. Das gab einem immerhin die Möglichkeit, die Zügel jetzt selber zu halten und - nachdem ich meinen kleinen Treiber mal böse auf Spanisch angefaucht hatte - auch das Tempo für die Pferde etwas zu verringern... Wir sind dann den extrem steilen felsigen Teil nicht mehr geritten, sondern zu Fuß gegangen und selbst dabei sind die Pferde dauernd gestrauchelt und ich selbst bin drei mal weggerutscht und hingefallen...

Irgendwann sind wir dann doch noch heil oben angekommen und für uns hat sich der ganze Aufwand trotz aller Strapazen unbedingt gelohnt!

 

Die Schmetterlinge zu sehen war eine einmalige Erfahrung, die uns für alles entschädigt hat: Auf jedem Ast hingen dicke Trauben von Monarchfaltern und egal wo man stand, war es wie mitten in einem Bienenschwarm zu stehen, nur dass dieser aus wunderbaren orangefarbenen federleichten Schmetterlingen bestand, die nicht summen, sondern leise wispernde Flügeleräusche machen... Diese Stille, diese Farben, diese wunderschönen ätherischen Wesen - einfach nur da sitzen und in vollkommener Harmonie mit der Schönheit des Augenblicks zu sein ... atemberaubend!

 

Tja und dann ging es leider irgendwann den extrem steilen, gefährlichen Weg wieder zurück...

Unsre kleinen 8-10 jährigen Guides, die es besonders auf dem Rückweg eilig hatten, nach Hause zu kommen, meinten zwar immer, wir sollten ruhig auf den Pferden sitzen bleiben, das schaffen die schon, aber ich hatte nicht das Vertrauen, dass ein 8-jähriger die Gefahr richtig einschätzen kann und wir sind dann halt nur noch auf den flachen Stücken geritten. Der Jugendliche der für die ganze Expedition verantwortlich war, hatte sich leider schon eine Stunde vorher in Richtung Heimat abgesetzt und die kleinen Knirpse trauten sich dann doch nicht wirklich, gegen uns aufzubegehren...

 

Wieder zu Hause hatten wir alle auch nach drei Tagen noch tierischen Muskelkater und ich habe zum ersten Mal an einen Verlag geschrieben. Nämlich dass der "Geheimtipp" schleunigst wieder aus dem Reiseführer gelöscht werden sollte, die Wegbeschreibung eine Lachnummer war und dass die von ihnen empfohlene Strecke nur mit einer nicht zu vertretenden und dazu noch gefährlichen Pferde-Quälerei verbunden ist!

Man kann nur hoffen, dass diese Route in Ermangelung von Touristen schnell wieder dicht macht! Dieser Geheimtipp sollte wohl besser geheim bleiben!

 

Ich kann Euch einen Besuch bei den Monarchfaltern trotzdem unbedingt empfehlen! Es ist eine weltweit einzigartige Erfahrung, die Ihr nicht verpassen solltet, wenn Ihr die Chance habt!!!

Allerdings habe ich Euch auf google maps den offiziellen und bekannteren Park rausgesucht - dann doch lieber mit hunderten von anderen Touristen unterwegs sein als noch mal so eine Pferde-Schinderei!

 

Das Biosphärenreservat Mariposa Monarcha ist übrigens ein UNESCO Weltkulturerbe!

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