· 

Asta luego Mexico! Auf Wiedersehen!

Was mir während unserer letzten Reise noch mal sehr bewusst geworden ist: 

 

Mexiko hat als Land unglaublich viel zu bieten! 

Es erstreckt sich von Norden nach Süden ähnlich lang wie das komplette Europa und entsprechend ist der Norden mit dem Süden überhaupt nicht zu vergleichen.

Wir haben wunderbare alte maurisch angehauchte Kolonialstädte gesehen, herrlich bunte Indio-Städte und die moderne 30-Millionen-Stadt Mexiko City. 

Man kann Tempelanlagen ohne Ende anschauen, von denen jede anders und jedes Mal wieder neu und faszinierend ist. 

Die Natur bietet von Dschungel über grüne Täler bis hin zu weiten Kakteenwüsten alles, was man sich nur vorstellen kann. 

Und schließlich gibt es in Mexiko diese absoluten Traumstrände – von der einsamen Schildkrötenbucht bis hin zum super Luxus-Resort ist alles vertreten. Meine beste Freundin hat eine Riesenmuschel gefunden – superschön! 

 

Und was bei Allem die Atmosphäre dominiert, sind diese Farben - der Natur, der Häuser... sogar das Geschirr ist hier unglaublich bunt!

Allerdings habe ich bisher erfolgreich der Versuchung widerstanden, das alles nach Deutschland importieren zu wollen, denn ohne die Sonne und den immerblauen Himmel als Kulisse wirkt das Bunte dann vermutlich kitschig... Was uns als Deutschen dann als viel zu viel an Reizen erscheinen würde, ist für die Mexikaner aber gerade richtig! Und zwar egal, um welche Art von Reizen es sich handelt...

 

Inzwischen hat sich mein Gehirn natürlich an die Reizüberflutung gewöhnt, aber ab und zu sitzt man dann doch in einem Restaurant und merkt, dass man sich zum Unterhalten anbrüllen muss, weil neben der Musik im Restaurant und dem Krach von der Straße auch noch vier im Restaurant aufgehängte Fernseher gerade auf zwei verschiedenen Kanälen gleichzeitig irgendeinen aktuellen Sport oder eine Quizshow oder beides gleichzeitig übertragen. Bei einem kurzen Rundblick durch das Restaurant merkt man aber dann, dass man der Einzige ist, den das stört; die Mexikaner sitzen seelenruhig da, genießen ihr Essen und unterhalten sich. Also denkt man sich: „Stell Dich nicht so an“ und befiehlt seinem Gehirn, all diese Störgeräusche wieder auszublenden. Das ist tatsächlich lernbar und funktioniert inzwischen ganz gut.

 

Und für die Nacht habe ich so richtig gute Ohrstöpsel, die wirklich ALLES ausblenden!

Das kam mir z.B. in Mexiko City sehr zu gute. Denn was ich beim Buchen übersehen habe: Der Vorplatz zu unserem Hotel, das wirklich sehr schön ist und unglaublich zentral liegt, ist leider auch berühmt für seine Mariachi-Bands, die bis 4:00 Nachts ihre „Kunst“ zum Besten geben. Mariachis sind Folkorebands mit Gitarren, Trompeten, lauten Gesängen und wenn man Pech hat Geigen, die unglaublich schrille, schräge und unmelodische Lieder spielen, die sich ein bisschen nach bayrischer Folksmusik gemischt mit Peter-Alexander-Liebes–Schnulzen anhören... gruseliger geht‘s echt nicht! Und natürlich wird alles so laut präsentiert, wie es nur irgendwie geht! Auf jeder größeren Feier, die etwas auf sich hält, darf ein Gastauftritt einer Mariachi-Band nicht fehlen und irgendwie ist das auch immer tatsächlich sehr nett und folkloristisch... 

Aber eine ganze Nacht lang?!... Mehrere Bands gleichzeitig?!... Puh!!!...

Aber was soll man machen?

Die Herren lieben ihre Kunst sehr und schmettern sie gerne nur so in die Welt hinaus! 

 

Apropos laut: Vor ein paar Tagen bin ich mit zwei deutschen Freundinnen nach über einem Jahr mal wieder hier im Kino und merke irgendwann erstaunt, dass sich beide die Ohren zuhalten, weil es an manchen Stellen zu laut ist. Das ist sonst mein Part (ich hab im Kino vorsichtshalber sogar immer Ohrstöpsel dabei), aber scheinbar habe ich mich schon richtig gut an den Lautstärkepegel hier angepasst. Ich finde es jedenfalls gut auszuhalten! Ganz kurz kommt mir der Gedanke, dass ich vielleicht schon ein bisschen schwerhörig geworden bin in Mexiko ... DAS könnt Ihr mir dann bitte sagen, falls ich in Deutschland nur noch die Hälfte mitkriege!

Welches Glück wir haben, dass unser Haus relativ ruhig liegt, ist uns im Laufe der zwei Jahre erst bewusst geworden, nachdem einige Kollegen von ganznächtlich auf jedem Hausdach bellenden Hunden und lauten Nachbarn erzählt haben ...

 

Aber noch mal zurück zur Rundreise:

Was mir immer wieder besonders aufgefallen ist, sind die Stromkabel, die überall herumhängen. 

Davon habe ich bisher glaube ich noch nie was erzählt. Es gibt hier fast ausschließlich überirdisch verlaufende Stromleitungen, die an Holz- oder kleinen Betonmasten festgebunden werden. Letztens fuhr ich eine der Hauptstraßen entlang und durfte Zeuge werden, wie diese Kabel verlegt werden: 5 Leute haben ein 5 cm dickes Starkstromkabel über der Schulter und gehen damit alle in eine Richtung. Sieht sehr aus, wie umgekehrtes Tauziehen. Einer sitzt oben auf dem Mast und knotet den Anfang vom Kabel fest - nicht schrauben, tackern oder was man sich sonst so vorstellt; nein: KNOTET!... Die 5 Leute ziehen dann wieder wie beim Tauziehen alle in die gleiche Richtung, um das Kabel irgendwie zu spannen und wenn es nicht mehr ganz so doll durchhängt, wird es am nächsten Pfahl verknotet. Übriggebliebene Kabelreste werden nicht abgeschnitten, sondern aufgerollt und ebenfalls an den Mast geknotet und die alten Kabel (die ja ersetzt wurden), lässt man auch einfach daran hängen. Es entsteht also ein wüstes sehr durchhängendes Kabelknäuel (im Sightseeing-Bus muss man dann gut den Kopfeinziehen, um nicht damit in Berührung damit zu kommen) und wenn es zu schwer wird, knickt so ein Holzmast auch schon mal ab und der ganze Starkstromkabelsalat liegt samt halbem Mast auf dem Bürgersteig rum (man benutzt dann einfach als Fußgänger die andere Straßenseite) ...

 

Dazu fällt mir ein, dass man übrigens seit Neustem nachts auf dem Nachhauseweg keine Angst mehr zu haben braucht, in ein Loch zu fahren, weil mal wieder ein Kanaldeckel mitten auf der Straße fehlt oder sich durch die Witterung im Straßenbelag ein riesiges Loch aufgetan hat!... Die Menschen hier in der Gegend waren es wohl auch leid, sich ständig die Räder von der Achse reißen zu lassen (ist einer Lehrer-Kollegin passiert). Wenn also irgendwo so ein Loch auftaucht, das man im Dunkeln übersehen könnte, steckt man inzwischen einfach so viel irgendwelches Zeug da rein, bis ein ca. 1 m hohes Hindernis aus z.B. Eisenstangen und Müll entsteht. DAS ist garantiert nicht zu übersehen und schrottet einem auch maximal die Stoßstange, wenn man da gegen rauscht. Aber damit kann man ja dann locker weiterfahren...

 

Irgendwie ist das ein interessanter Gegensatz: Auf der einen Seite nehmen es die Mexikaner mit solchen Sachen halt nicht so genau und siehe da – es klappt trotzdem! Man benutzt wie gesagt dann eben den Bürgersteig auf der anderen Seite und keinem passiert was, bis der kaputte Strommast nach ein paar Tagen repariert ist. Auf der anderen Seite ist Mexiko unfassbar bürokratisch. Alles, was irgendwie mit Verwaltung zu tun hat, dauert fünf mal so lange wie bei uns, weil etliche Formulare und Genehmigungen nötig sind.

 

So, zum Schluss wie immer noch eine nette Anekdote - Neulich in der Apotheke:

 

 Ich hatte wegen einer Kehlkopfentzündung lange Antibiotikum genommen und wollte mir irgendwas für "danach" holen:

 

 "Ich möchte Vitamine für mein Immunsystem kaufen"

 

 "Häää?"

 

 "Ich nehme Antibiotikum und möchte Vitamine kaufen, damit ich danach mein Immunsystem wieder aufbaue"

 

 "Haben Sie einen Namen des Medikaments?"

 

 "Nein. Ich brauche nur Vitamine für das Immunsystem"

 

 "Dann müssen sie zum Arzt gehen und sich ein Rezept geben lassen"

 

 "??? Nein! ich brauche nicht zum Arzt. Ich brauche nur Vitamine!"

 

 "Ich brauche aber den Namen des Medikaments"

 

 "ICH WILL NUR VITAMINE KAUFEN!"

 

 [wendet sich an eine andere Verkäuferin]

 

 "Sie will Vitamine für ihr Immunsystem...blabla"

 

 "Ja klar, nimm doch xy, das ist auch mit Minaeralien und Probiotischem Kram"

 

Und dann dreht die Verkäuferin sich um und greift in ein riesiges Regal voller Vitaminpräparate, vor dem sie die ganze Zeit gestanden hat… Sie hätte mir also die ganze Zeit nur verschiedene Packungen auf den Tisch legen können und ich hätte nur eine auswählen müssen. Leider ist sie aber nur programmiert auf: Rezept angucken - Namen des Medikaments lesen - Medikament aus dem Regal suchen. Alle anderen Handlungsmöglichkeiten kommen für sie nicht in Frage... Und die Angst, etwas falsch zu machen, ist dann so groß, dass sie dann lieber gar nichts macht!

Du möchtest noch mehr Geschichten aus Mexico lesen? Klick hier!

Du möchtest alle meine Artikel lesen? Klick hier!