Pilion - Die Bergdörfer - Griechenland ganz ehrlich

Pilion 1

Heute habe ich einen richtigen Geheimtipp für Euch... Es geht nach... Pilion!!!

Schon mal gehört?... Ich auch nicht!

Die Halbinsel Pilion ist wunderbar... ursprünglich... malerisch... bunt... vielseitig... entspannt... überraschend... echt... und mein neuer Lieblingsplatz in Griechenland!

Eine unfassbar schöne Gegend, die der Massen-Tourismus noch nicht erreicht hat... Man fährt stundenlang durch Olivenbäume und hat die atemberaubendsten Aussichten auf kleine Buchten am pagasitischen Golf...

 

Diese Woche nehme ich Euch mit in die herrlichen Bergdörfer auf Pilion. Nächste Woche zeige ich Euch dann die Küstenddörfer... Lasst Euch verzaubern!

Volos (Βόλος)

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Das Tor zur Halbinsel Pilion ist Volos. Die riesige Hafenstadt mit knapp 150.000 Menschen liegt in einer großen Bucht am pagasitischen Golf, ist genau wie Thessaloniki mal von einem Erdbeben fast vollständig zerstört und dann funktionell wieder aufgebaut worden und sieht schon von Weitem so aus, dass wir nicht das Bedürfnis haben, ihr einen Besuch abzustatten. Im Sommer kann man Volos übrigens von Deutschland aus anfliegen...

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Makrinitsa (Μακρινίτσα)

Unser erster Stopp ist Makrinitsa, ein denkmalgeschütztes Bergdorf, das in allen Reiseführern und blogs angepriesen wird. Wenn man nach Makrinitsa kommt, fällt einem zuerst mal auf, dass es fast schon schwierig ist, den Ort zu erreichen - nicht, weil die Straße so unwegsam wäre oder das Dorf so versteckt liegt, sondern weil alle Zufahrtsstraßen mit Autos so zugeparkt sind, dass der ankommende Verkehr wahre Kunststücke vollbringen muss, wenn zwei sich entgegenkommende Fahrzeuge versuchen, aneinander vorbei zu kommen... Zum Glück finden wir tatsächlich am Beginn der Serpentinenstraße auch noch einen Platz am Wegesrand (wobei wir uns fragen, was sich hier im Sommer, also in der Hochsaison für Dramen abspielen müssen) und los gehts...

Das Dorf empfängt uns mit zwei Souvenirläden und China-Ware... Sind wir hier wirklich richtig?... Aber die Souvenirläden verstecken sich in wunderschönen Häusern aus Bruchstein, die Wege sind wunderschön und aus Bruchstein, die Dächer sind wunderschön und aus Steinplatten und der Blick ist wunderschön und geht bis ins Tal runter und über die Bucht. Also doch ein sehr sehr lohnenswertes Ausflugsziel! Es gibt einen schönen Weg durchs Dorf, der mich an Mont St. Michel in der Bretagne erinnert - wir bewegen uns wie über einen sehr sehr langgezogenen Balkon mit Blick auf das schöne Tal auf der einen Seite und die romatischen Häuser auf der anderen Seite... und landen schließlich auf einem Marktplatz, auf dem es sich herrlich unter alten Bäumen wie auf einer riesigen Terrasse sitzen lässt... Nach einer netten Kaffeepause nehmen wir dann einen der Wege, die nicht parallel zum Hang verlaufen, sondern weiter hoch in das Dorf führen. Hier ist außer uns und ein paar Einheimischen absolut Niemand unterwegs und der kurze Abstecher führt uns in einem Bogen wieder zurück zum Anfang des Dorfes, wo auf dieser Ebene keine Souvenirläden warten, sondern die Dorfkirche mit einem großen schönen Gebäudekomplex, dem Ιερός Ναός Κοιμήσεως της Θεοτόκου.

Auch ein tolles Museum gibt es in Makrinitsa, das Μουσείο Λαϊκης Τέχνης και Ιστορίας Πηλίου (Αρχοντικό Τοπάλη), für das wir heute aber leider keine Zeit haben... Und für unseren nächsten Besuch nehmen wir uns außerdem noch den netten Spaziergang von Makrinitsa nach Anakassia vor...

Trotz Tourismus hat sich Makrinitsa also irgendwie seinen Charme erhalten und ist ein  sehr schöner Start unserer kleinen Pilion-Rundreise.

Portaria (Πορταρέας)

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Der Nachbarort von Makrinitsa wirkt genau so hübsch und urig, hat aber genau so viele Autos am Wegesrand stehen und schon in der Ortsdurchfahrt die ersten Souvenirläden, also halten wir hier nicht auch noch an, sondern fahren weiter.

Chania (Χάνια)/ Κορυφή χιονοδρομικού κέντρου

Agriolefkes (Αγριολεφκεσ)

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Von Portarias führt unser Weg von der Westküste quer über die Berge an die Ostküste. Die Landschaft ist wundervoll - ein Freund hat hier mal eine Flußwanderung gemacht... Das möchte ich unbedingt auch mal machen!

Eben noch milde 14 Grad bei strahlend blauem Himmel fahren wir plötzlich durch Bergstraßen, an denen rechts und links noch Schnee liegt und das Thermometer fällt auf 4 Grad - Wir sind mitten in einem Skigebiet! Wow!

Kissos (Κισσός)

(Εκκλησία Αγία Μαρίνα)

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Auf dem Weg durchs Gebirge liegt der kleine Ort Kissos nur drei Minuten von der Hauptstraße entfernt. Der Abstecher lohnt sich auf jeden Fall. Seht selbst:

Tsagkarada / Tsangarada (Τσαγκαράδας)

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Tsagkarada wird im Internet als Wanderregion beschrieben, aber als ich mir den Ort bei meiner Recherche markieren will, fällt es mir schwer, einen Ortskern zu finden... Kein Wunder! Es gibt nämlich keinen! In einem weiten Areal stehen hier die Häuser entlang der steilen Straße... Wo man hier wandern soll, kann ich auf Anhieb nicht erkennen... das werde ich für das nächste Mal noch mal genau nachgucken...

Mein eigentliches Ziel ist heute aber sowieso nicht, wandern zu gehen... Mein heutiges Ziel ist... ein Baum! Jaaa genau! Ein Baum! Und zwar ein 1000 Jahre alter Baum! Die Platane von Tsangarada hat einen Umfang von 14 Metern und ich habe tatsächlich noch nie einen so monumentalen Baum gesehen!!! Das Ding ist der unvorstellbar!

In Mexico war ich schon beim dicksten Baum der Welt, dem =>Arbol de Tule, einer mexikanischen Sumpfzypresse, die ca. 1400–1600 Jahre alt ist und einen Durchmesser von 14,05m hat - Das sind 44,139m Umfang! Sie ist extrem beeindruckend, aber die Zypresse besteht aus vielen einzelnen Stämmen, die aus einem Stamm entspringen.

Die Platane heute hat zwar einen kleineren Umfang, aber nur einen einzigen fetten riesigen elefantösen Stamm! Und dieser Stamm und zum Teil auch die Äste sind unfassbar dick, sodass der ganze Baum Ruhe und Kraft und Unvergänglichkeit ausstrahlt... Oooohhhmmmm...

Dieser Gigant ist so groß, dass es mir trotz der Panorama-Funktion meines handys schwer fällt, ihn auf ein einziges Bild zu bannen! Egal, wie ich mich stelle und welche Perspektive ich wähle - er passt einfach kaum drauf! Dieser Dinosaurier widersetzt sich auf wunderbare Weise der modernen Technik! Herrlich!!!

Auf dem Platz, den der Baum dominiert, gibt es ein Restaurant und es herrscht eine wunderschöne Atmosphäre und wer will, kann im Schutz seiner Äste sitzen und die Seele baumeln lassen...

Milies (Μηλίες)

Die Pilionbahn

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Ein Besuch von Milies wird allseits empfohlen - zum Einen, weil hier die Endstation der historischen Nostalgie-Bahn liegt, die in Ano Lechonia startet und bis Milies fährt; zum Anderen, weil man von diesem netten Bergdorf aus schön wandern kann...

Bei der Ankunft in Milies geht es uns ähnlich wie in Makrinitsa: Enge, volle Straßen und Souvenirläden... Aber dieses Mal lassen wir uns nicht schrecken! Wir finden zum Glück einen Platz auf dem kleinen Dorf-Parkplatz und schlendern zuerst mal durch das Dorf... Im Gegensatz zu Makrinitsa quälen sich die Autos hier aber leider mitten durch den Ortskern und das "Dorf" besteht aus einen großen Platz mit einer Kirche, die schnell besichtigt ist und Lokalen, in denen man sitzen und essen kann. Für ein nettes Mittagessen sicher ganz nett, aber wir sind grade in Entdeckerstimmung und nicht im Ruhe-Modus und beschließen, einen Spaziergang zum alten Bahnhof zu machen, um uns die historische Bahn anzugucken. Auf gehts!... Und nach fünf Minuten sind wir auch schon wieder zurück!... Warum?... Der Weg zur Bahnstation führt von Milies aus eine halbe Stunde auf der engen viel befahrenen einzigen Straße stetig bergab, auf der man sich an den Straßenrand quetscht, um nicht als lebendes Verkehrhindernis überfahren zu werden... Also zurück und doch lieber mit dem Auto zur Bahnstation fahren...

 

Der alte Bahnhof liegt in einem schönen ruhigen Talkessel direkt an einem kleinen Wasserfall und ich laufe einfach mal ein paar Meter die Schienen entlang und wieder zurück, wo die schöne alte Eisenbahn, die morgens die Strecke nach Milies und am späten Nachmittag zurück nach Ano Lechonia fährt darauf wartet, bestaunt zu werden! Und auf meinem Weg beschließe ich, beim nächsten Mal auf jeden Fall bis nach Milies mit dieser wunderschönen kleinen Bahn zu fahren und dann die 19 km lange Wanderung bergab entlang der Bahngleise von Milies bis nach Ano Lechonia zu machen und durch diese schöne Natur zurück zu spazieren...

 

Infos zur Pilionbahn gibt es hier (ganz unten auf der verlinkten Seite findet Ihr eine pdf mit dem aktuellen Fahrplan - die Bahn fährt im Winter nur am Wochenende) :

http://www.trainose.gr/en/tourism-culture/train-and-recreation/the-pelion-train/

Vizitsa (Βυζίτσα)

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Nach der Schlappe mit Milies fahren wir aber noch in den Nachbarort, der in einigen Reiseberichten auch wärmstens empfohlen wird. Und siehe da: Hier ist es deutlich ruhiger! In Vitzitsa parkt man sein Auto wieder außerhalb des Dorfkerns auf einem zentralen Parkplatz und wir laufen ein bisschen durch das Dorf und die umliegende Natur und für das nächste Mal nehme ich mir vor, zu dem nahegelegenen Katafidi-Wasserfall zu laufen. Zum Schluß setzen wir uns noch ein Weilchen auf die Bänke, die an der großen alten Kirche Ιερός Ναός της Ζωοδόχου Πηγής stehen und genießen einfach nur, wie gut es uns geht...

Trikeri (Τρίκερι)

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Trikeri ist das einzige Bergdorf im Süden der Halbinsel und natürlich fahren wir auch da mal vorbei. Das Dorf ist gar nicht mal klein, aber der alte Dorfkern ist so gut wie verlassen... Der einzige Mensch, der uns auf unserem Spaziergang durch die Gassen begegnet, ist eine alte Oma, die über den Dorfplatz schleicht... Trikeri hat die Atmosphäre eines wunderschönen, dem Verfall preisgegebenen Geisterdorfs... Nur jedes dritte Haus scheint bewohnt zu sein und zwar nicht deshalb, weil grade Nebensaison ist, sondern weil die Häuser aufgegeben wurden - ein Paradies für Fotografen!

Es gibt zwei Marktplätze - auf dem einen sitzt man im Sommer sicher sehr sehr schön, wenn die beiden Tavernen dort geöffnet haben. Von dem anderen dringt lustige Musik und lautes Gelächter zu uns herüber: Heute ist Karnevalssonntag und in der Dorftaverne wird gefeiert - die übriggebliebenen Dorfbewohner lassen es sich offenbar gut gehen - es gibt also doch noch Leben hier!

So meine Lieben, das war der erste Teil meiner Pilion-Reise... Aber natürlich geht es noch weiter: Freut Euch nächste Woche auf die Küstendörfer auf Pilion... Herrliche Buchten und authentische kleine Fischerorte warten auf Euch!

Übrigens

Wir haben uns gefragt, wie die Müllabfuhr jede Woche diesen Container in Makrinitsa leert????!!!

Tipps & Informationen

 

Pilion liegt knapp 250 km von Thessaloniki und 360 km von Athen entfernt, ist also gut mit einem Trip in eine der großen Städte zu verbinden. Und wenn man sich für die Strecke Pilion-Thessaloniki entscheidet, liegen auf dem Weg auch noch die magischen Klöster von Meteora, der majestäthische Olymp und die spannenden Ausgrabungen von Dion - es lohnt sich also unbedingt!

Dass hier in der Nebensaison alles zu sein soll, stimmt zum Glück nicht. Es gibt überall noch Unterkünfte, die geöffnet haben und auch im noch so entlegendsten Bergdorf kümmert sich mindestens eine Taverne um das Wohl der Gäste. Im Gegensatz zu Chalkidiki, wo ich oft das Gefühl hatte, durch eine verlassene (Touristen-)Film-Kulisse zu fahren, wirken die Dörfer auf der Halbinsel Pilion zwar auch manchmal einsam, aber trotzdem bewohnt und authentisch.

 

Pilion ist sehr schön und sehr ursprünglich und touristisch nicht überlaufen. Der Preis, den man für diese Abgeschiedenheit bezahlt ist, dass es nur eine einzige breit ausgebaute und weniger kurvenreiche Straße gibt, die an der Westküste fast bis in den letzten Zipfel führt. Dann gibt es noch zwei gut ausgebaute Routen zwischen der Ost- und der Westküste, die aber extrem kurvenreich sind. Alle anderen Straßen sind größtenteils Stichstraßen und alle Straßen, die irgendwie Berge rauf und runter führen oder die Küste hinunter führen (also besonders an der Ostküste) sind zum Teil sehr eng und winden sich in unendlichen Serpentinen hin und her. Wer also nicht kurvenfest ist, sollte sich gut überlegen, wo er unbedingt hin möchte! Andererseits macht das natürlich den Charme von Abgelegenheit aus und garantiert, dass hier niemals riesige Touristenströme die Halbinsel überfluten werden...

 

Fast jeder Ort hat übrigens einen zentralen Parkplatz und man läuft dann ein paar Meter zur Dorfmitte. Das liegt daran, dass die Straßen in den Dörfern so eng sind, dass einfach kein Platz für Autos ist, sorgt aber auch dafür, dass die Dorfplätze so gut wie autofrei sind - sehr schön!

 

Überall auf Pilion gibt es große und kleine Buchten, in denen das Wasser so klar ist, als würde man durch Glas sehen und in den gleichen herrlichen Farben wie auf Chalkidiki leuchtet. In der Bucht von Milina soll es sogar Delfine geben...

 

Für die unter Euch, die gerne wandern: Auf der ganzen Pilion gibt es überall alte Kalderimi (Eselspfade), die liebevoll instand gehalten werden und sehr romantisch sind. Es handelt sich um mit Bruchsteinen gepflasterte Wege, die kreuz und quer über die Halbinsel verlaufen. Allerdings sollte man trittsicher sein und feste Schuhe anziehen, da der Untergrund nicht glatt, sondern ziemlich holperig ist!

Infos zum Wandern gibt es z.B. hier:

https://friendsofthekalderimi.org/

http://www.pilionwalks.com/german/wanderungen/germanwandelingenstart.html

 

Ach ja: Und denkt daran, rechtzeitig zu tanken! Südlich von Volos kommen insgesamt nur noch sechs Tankstellen; im Süden der Halbinsel ist es dann nur noch eine!

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