Vergina & Dion - Göttliche Tempel am Fuß des Olymp

 > Dion

Heute habe ich mal einen Kultur-Tag geplant: Bevor Corona hier in Griechenland vielleicht doch noch so richtig zuschlägt und wir den nächsten lockdown bekommen, will ich jetzt endlich mal die beiden Ausgrabungsstätten besuchen, die von uns aus nur 1-2 Stunden am Fuß des Olymp liegen: Auf nach Vergina und Dion!

Vergina

In Vergina angekommen,spielt google maps mal wieder lustige Suchspiele mit uns: Wir fahren Runde um Runde durch das kleine Dorf, stehen vor weiten Wiesen an langen Zäunen, durch die angeblich eine Straße führt und landen in komischen Sackgassen und mitten im Nichts, bis wir uns dann irgendwann von unserem handy losreissen und einfach den braunen Schildern folgen, die hier überall aufgestellt sind und endlich sehr zügig auf dem Besucherparkpltz für den archäologischen park landen.

 

Da wartet dann aber erst mal eine Enttäuschung auf uns: Der archäologische Park mit dem Palast von Aegae, dem Amphiteather und geschätzten 300 Hügelgräbern ist nur Montags bis Freitags von 10-14 Uhr geöffnet und am Wochenende leider geschlossen... Häh?! Sehr ärgerlich, denn das ist extrem unlogisch oder? Wer hat schon Zeit, unter der Woche am Vormittag mal eben hier hin zu fahren??? Na gut, dann eben direkt zum Museum mit dem Grab von Philipp II, dem Vater von Alexander dem Großen! (Das zum Glück auch am Wochenende geöffnet hat)

Wer sich trotzdem für Fotos des archäologischen Parks interessiert, der guckt hier: > photopedia.info

 

Da wo sich heute das Dorf Vergina befindet, soll früher nämlich die antike Stadt Aigai gelegen haben - eine der Residenzen von Philipp II. Und als man hier ein Grab gefunden hat, das vollgestopft war mit den fantastischsten Schätzen ist man natürlich davon ausgegangen, dass es sich um das Grab dieses wichtigen Königs handelt. Vor allem, weil der Tote darin deutliche Verletzungen an einem Auge hatte - genau wie Philipp, der nach einer Verletzung bei einer Schlacht auf einem Auge sogar blind war.

 

Die Archäologen haben den Grabhügel geöffnet, all die wunderbaren Sachen ausgegraben, im Inneren des Hügels ein wirklich beeindruckendes Museum gebaut und den Hügel von oben dann wieder zugeschüttet, sodass man wirklich sehr authentisch in dem Original-Hügelgrab von Philipp herumspaziert, wenn man das Museum besucht - toll!

Sogar die großen Eingangstore zu den Gräbern hat man hier eins zu eins stehen lassen und davor die Grabkammer in einer kleinen Miniatur nachgebildet. Sieht ein bisschen aus wie ein Barbie-Haus, ist aber eine gute Idee, damit man sich als Besucher vorstellen kann, wie es hinter diesen riesigen Toren ausgesehen hat...

 

Es gibt allerlei in Stein gehauene Figuren und Bildnisse, Waffen, Rüstungen, Alltagsgegenstände und Schmuck zu sehen und wir laufen durch dämmriges Licht, in dem nur die Schätze in ihren Vitrinen angestrahlt sind und umso majestätischer wirken...

Das Beeindruckendste sind für mich allerdings die Kronen: Feinste in Gold gearbeitete Kunstwerke, die Eichenlaub, Eicheln und Blumen darstellen... Wow! Diese Meisterwerke wirken wahrhaft himmlisch! Damit würden sich sogar Götter gerne schmücken!

 

Wir schlendern also gemütlich durch diese ganze Pracht, ich muss mich ein bisschen bremsen, um nicht jede einzelne Vitrine und jedes einzelne Fundstück zu fotografieren und anschließend machen wir noch einen kleinen Spaziergang durch den Park des Museums, der auch wieder eine sehr ruhige und harmonische Stimmung ausstrahlt... und neben exotischen Bäumen und Pflanzen die hier wachsen, stehen wir auf einmal vor einem Granatapfelbaum... Und was könnte besser passen an diesem wunderbaren Ort?!... Wusstet Ihr, dass Granatäpfel auch Paradiesäpfel genannt werden?...

Dion

Eine Stunde von Vergina entfernt liegt Dion, die bedeutendste Ausgrabungsstätte Zentralmakedoniens und ich bin schon sehr gespannt, was mich hier erwartet. Immerhin ist Dion eine der wichtigsten Zeus-Kultstätten gewesen, denn wie sollte es auch anders sein: Sie liegt unmittelbar am Fuß des Olymp, der Heimat der griechischen Götter, sodass diese schön auf ihrem Berg sitzen und wohlwollend auf die Menschlein herunterschauen konnten, die da grade ihre Gebete an sie richteten und ihnen nette Opfer brachten... Witzige Idee, während wir hier so rumlaufen, sich vorzustellen, auf dem riesigen Berg da direkt über uns könnten ein paar Götter hausen...

 

Ich bin übrigens der Typ, der sich vorher keine Beschreibungen und auch keine Infotafeln vor Ort durchliest und gerne einfach völlig unbedarft auf so einem Gelände herumläuft und mit der Kamera im Anschlag überall spannende Sachen entdeckt. Bei Dion würde ich Euch trotzdem empfehlen wenigstens einmal in Wikipedia quer zu lesen, was es hier so alles zu sehen gibt, sonst lauft Ihr einfach nur durch ein Areal voller alter Steine und das ist hier echt zu schade!

 

Der Park von Dion teilt sich rechts und links einer Straße in zwei große Gelände und wir entscheiden uns, erstmal mit dem südlichen Teil anzufangen:

Begleitet von Schmetterlingen und Libellen spazieren wir durch einen schönen alten verwilderten Park, an dem uns am Wegesrand immer wieder ein paar Steinmauern ins Auge springen. Hier darf man keine großartigen Bauwerke erwarten, denn die übriggebliebenen Ruinen bestehen alle nur aus sehr niedrigen Mäuerchen... aber mit ein bisschen Fantasie kann man sich vorstellen, wie die Häuser und Tempel dazu ausgesehen haben könnten und mit Kindern macht es Spaß, durch die leeren "Räume" zu laufen und so zu tun, als bewege man sich durch ein Haus.

 

An einem netten kleinen römischen Amphitheater vorbei und laufen wir weiter zum großen hellenistische Amphitheater, das mich allerdings etwas enttäuscht... Nachdem ich das fantastisch erhaltene Stein-Theater von Philipp gesehen habe (> Philippi), finde ich die Eisenkonstruktionen mit Holzlatten hier nicht sehr eindrucksvoll. Aber da die ursprünglichen Sitze hier aus Ziegeln bestanden, war davon vermutlich nicht mehr viel übrig und man musste stattdessen zu dieser konstruktion greifen... In der Nord-Hälfte des Parks wartet noch ein anderes kleines Amphitheather, das "Odeum", aber das weiß ich jetzt grade natürlich noch nicht und so setze ich mich trotzdem für eine kleine Pause ganz oben auf die äußerste Bank und genieße den frischen Wind, der hier oben an einem heißen Tag wie heute wunderbar gut tut..

 

Nach einer guten Stunde nehmen wir auch noch die andere Hälfte des Parks in Angriff und sind sehr positiv überracht: Hier erwarten uns breite Steinstraßen, Statuen, Säulen und deutlich größere und besser erhaltene Gebäudekomplexe mit sehr beeindruckenden Mosaiken.

Ein Schild weist auf eine Wasserorgel hin, die aber leider gar nicht hier zu bewundern ist, sondern im angegliederten Museum. Aber auch so lohnt es sich, hier herumzustöbern und immer wieder neue spannende Ausgrabungen zu entdecken... Besonders die Thermen haben es mir angetan und zwar die unter dem nicht mehr vorhandenen Fußboden aufgestellten kleinen Steinsockel, mit deren Hilfe man ein ausgeklügeltes Heizsystem betrieben wurde... Und die Vorstellung, dass ich hier über die herrlichen Mosaike zu meinem Bad gelaufen wäre, versetzt mich kurzfristig in die Welt der damaligen Römer voller Luxus und Götterkult...

 

Eigentlich gehört zu einem Besuch von Dion auch noch ein Abstecher ins archäologische Museum und in die Archäotheke, aber da wir inzwischen schon wirklich lange unterwegs sind und uns diese Sachen ganz in Ruhe angucken wollen, sparen wir uns das für unseren nächsten Besuch auf:

Im Museum könnten wir all die Statuen, die hier gefunden wurden und auch die Wasserorgel bestaunen und die Archäotheke wurde extra gebaut, um das hier entdeckte beeindruckende Dionysos-Mosaik unterzubringen...

Wenn ich also das nächste mal nach >Pilion fahre, mache ich hier noch mal Halt und werde Euch dann auch davon berichten können...

 

Übrigens stoßen wir bei unserem Spaziergang durch den verwilderten Park auf ein spannendes Phänomen: Direkt neben einem völlig überwucherten Baum, der aussieht wie ein riesiger grüner Blätter-Dinosaurier gibt es einen kleinen Tümpel unter einem Baum, in dem sich komische kleine Wasserkringel bilden und wir fragen uns, was es genau ist, das da das Wasser bewegt... Vielleicht Fische oder Kröten, die sich im Schlamm eingegraben haben? Nein, denn dann wären ja nur einzelne Luftblasen zu sehen... Wir überlegen kurz, ins Wasser zu steigen, um näher heran zu kommen, aber der Gedanke, was da Unbekanntes im Sand lauern könnte, ist dann doch zu gruselig... Nach einigem Beobachten, Überlegen und Experimentieren kommen wir zu dem Schluß, dass es sich um kleine "Minivulkane" handeln muss, aus denen Gas ausströmt und deren Öffnung irgendwo im Nichts enden. Denn als wir einen Stein ins Zentrum einer dieser Krater werfen, wird er sofort vom Sand verschluckt und verschwindet im Bauch der Erde... Iiiihhh! Spannend! Spooky! Urzeitbrühe! ... findet übrigens auch der Dino direkt hinter uns, streckt seinen Hals und stößt einen lautlosen Schrei in die Wildnis...

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